Sind wir Lobbying-Nieten?
Fast könnte man diesen Eindruck bekommen, wenn man das Interview mit Christian Kollmann liest, das im Rahmen der Kampagne “PR kann mehr” geführt und auch im STANDARD publiziert wurde. Der “communication matters”-Geschäftsführer kolportiert darin:
“…Ich kann nur den Befund unserer Kollegen in Brüssel wiedergeben: Aus Österreich kommt generell zu wenig Lobbying, zu wenig Bemühen, im Entscheidungsvorfeld mitzureden - wir haben diese Disziplin offenbar noch nicht wirklich erlernt. …”
Nun ist zwar an der Tatsache nicht zu rütteln, dass Österreich nicht unbedingt Lobbying-EUropameister ist, die Ursachen dafür sind aber wohl etwas differenzierter zu sehen. (Ich weiß, dass Kollege Kollmann die Sache nuancierter sieht, die Verkürzung ist wohl eine Folge der Interviewsituation und des verfügbaren Platzes.)
Die PR-Disziplin Lobbying verlangt besonderes Know how und qualifiziert sich aufgrund der quantitativ knapp bemessenen Bezugsgruppen an sich schon nicht als Massenphänomen. D.h. Lobbying (oder Public Affairs) wird stets die Domäne einer relativ kleinen Teilmenge der PR-Branche bleiben. Zudem können PR-Experten nur umsetzen, was der Kunde bereit ist, als zielführende Maßnahme zu akzeptieren und zu beauftragen.
Selbst wenn die PR-Branche also theoretisch das Fachwissen besitzt, kann sie die Leistungen nicht adäquat umsetzen, wenn der Impuls seitens der Auftraggeber ausbleibt. Dass dies bei österreichischen Unternehmen und Organisationen so der Fall ist, mag neben der nach wie vor maßgeblich vorhandenen kameralistischen Orientierung auch damit zu tun haben, dass Lobbying noch immer negativ punziert ist (soignierte Herren treffen sich an diskreten Orten, wo dann pralle Aktenkoffer mit geheimnisvollem Inhalt den Besitzer wechseln, und kurz darauf treten Gesetze in Kraft, die gewisse Interessengruppen favorisieren - so die noch immer weit verbreitete “landläufige” Meinung).
Damit die heimische PR-Branche in nennenswertem Ausmaß ihre Lobbying-Qualitäten ausspielen kann, muss sie wohl zuerst einmal intensiv an einer Imagekorrektur für Lobbying arbeiten. Dass das Interesse am Thema zumindest in der PR-Branche groß sein dürfte, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass sich Österreich immerhin gleich zwei Verbände leistet: ALPAC (á propos: Wie wär’s mit einem professionellen Webauftritt?) und PASA.
