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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Pumpgun-PR

Die PRVAnews kolportieren die Ergebnisse einer schriftlichen Umfrage, die das ikp im November 2005 unter österreichischen JournalistInnen durchgeführt hat. Tenor: Es gibt zu viele Presse-Events. V.a. die – in der Anzahl stark steigenden – Pressekonferenzen kommen bei den Befragten schlecht weg, da meist weder Anlass noch Thema die Veranstaltung rechtfertigten. Da parallel dazu Journalistenreisen und insbesondere Einzelgespräche reduziert werden, drängt sich der Schluss auf, dass maßgeschneiderte Media Relations durch Pumpgun-PR ersetzt werden. Pumpgun-PR? Nicht zielen, schnell feuern, breit streuen. Irgendwas wird schon hängen bleiben, und seien es nur der schale Geschmack und die Antipathie bei den JournalistInnen.

Auch wenn die Signifikanz der Umfrage (bei einer Grundgesamtheit von 300 und einer Rücklaufquote von 15%, also einem Sample von 45), nun ja, relativ sein dürfte, die wesentlichen Aussagen sind so markant, dass sie zu denken geben.

Als Kontrast dazu läuft (v.a.) in der US-amerikanischen PR-Szene eine Diskussion darüber, wie in Zeiten von social media die optimale Presseaussendung aussehen sollte. Zusätzlich zu den generellen Prämissen (medienadäquat, zielgenau, news-worthy etc.) kommen weitere Erfordernisse hinzu (etwa Syndizierbarkeit, Vernetzung usw.), die sowohl spezifisches Know-how als auch größeren Aufwand abverlangen werden. Ist nix mit Pumpgun – Laserskalpell!

Sieht man diese beiden Phänomene im Konnex, dann drängt sich der Schluss auf, dass hierzulande Anspruch und Realität der PR-Branche auseinander driften. Eine Trendumkehr ist vorerst nicht auszumachen, aber dringend notwendig.

7 Reaktionen zu “Pumpgun-PR”

  1. zuckerwatte

    Das Template ist super! Wenn man das in Österreich versendet, würden viele Journalisten schon beim Wort “RSS” sie Stirn runzeln. Oder täusche ich mich? Hoffentlich. Was meinst du, was in Österreich “medienadäquat” wäre?

  2. Markus Pirchner

    Es käme auf den Versuch an, das Template einzusetzen. Höchstwahrscheinlich reichte die Bandbreite der Reaktionen von fasziniertem Erstaunen (Minderheit) bis verärgerter Fassungslosigkeit (Mehrheit). Wer traut sich? :-)
    Mit “medienadäquat” meine ich die überall gültige, theoretisch selbstverständliche, in der Praxis aber zumeist ignorierte Verhaltensweise, jedem Medium, jedem Ressort, ja jedem Journalisten/jeder Journalistin genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene und formal aufbereitete Informationen anzubieten. Aus kurzsichtigen “ökonomischen” Überlegungen bleibt es leider viel zu oft bei den “one size fits all”-Aktionen. Kein Wunder, dass sich die JournalistInnen verarscht vorkommen.

  3. zuckerwatte

    sorry für verspätetes “re”: ja, aber ein bissl Arbeit von den Journalisten kann man ja wohl auch fordern :-) außerdem würde das erhöhten Einsatz von Ressourcen (finanziell/personell) bedeuten, wenn die Informationen statt “one size fits all” plötzlich an “Herrn xyz persönlich” gerichtet werden; der Erfolg wäre es aber natürlich wert. Laut Herrn Burkart leben Journalisten und PR-treibende aber sowieso in einer Symbiose – der PR-treibende bietet den Journalisten durch strukturierte Information einen Anker im Informationschaos – dafür schreibt der Journalist darüber…oder äh..war das jetzt zu einfach gedacht? :-)

  4. Markus Pirchner

    >ein bissl Arbeit von den Journalisten …
    Da bin ich anderer Meinung. Schließlich fordert ein Unternehmen auch nicht von seinen Kunden “a bissl Arbeit” (ausgenommen die Hard- und Software-Industrie und manche Hersteller von Fertigmöbeln ;-) )
    Es geht in der Medienarbeit letztlich darum, conversations zu initiieren und am Leben zu erhalten, und das geht nur, wenn ich den JournalistInnen glaubwürdig signalisiere, dass ich gewillt bin, auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen, und dass ich sie ernst nehme. Das bedeutet nicht, dass ich für jeden Kontakt ein eigenes Paket schnüre. Aber ich muss in der Lage sein zu zeigen, dass ich weiß, worauf es dem jeweiligen Medium (bzw. Ressort) ankommt, welche Leserzielgruppen es bedient usw. und darauf meine Informationen abstimmen.
    Klar erfordert das einen höheren Aufwand; das ist aber einer, der sich lohnt, weil die Wahrscheinlichkeit erheblich steigt, dass meine Botschaften von den – von mir gut servicierten – Medien transportiert werden.

  5. zuckerwatte

    jaja, war ironisch gemeint; ich weiss eh, dass die unternehmen die pa’s ohne rücksicht auf verluste rausschießen. hm, vielleicht muss ich mich selbst bei der nase nehmen…meine pa’s an die medizinischen fachmedien stossen auch auf wenig rückmeldung…vielleicht liegts an mir…vielleicht aber auch am mangelnden online-know-how der journalisten (darum geht’s nämlich in den pa’s); und ja: ich weiss, dass pa’s nicht das einzige instrument der pr sind…aber bin ich die pr-frau? nein…ich bin die internet-tussi :-) )

  6. virtual bites » Blog Archive » Worte mit Bedacht gewählt

    [...] Wenn wir scon bei Zahlen sind, können wir gleich auch einen Blick auf die Statistik werfen, z.B. die Zugriffsstatistik dieses Blogs. Nein, nicht um PageImpressions und dergleichen ist mir zu tun, sondern um die Auswertung der Suchbegriffe, über die Internetuser von Suchmaschinen zu virtual bites weiter gereicht werden. Seit fast einem Jahr ist ein Wort unangefochtener Spitzenreiter, das ich in etwas verfremdeter Weise schreibe, um nicht noch mehr Waffennarren zu enttäuschen (man weiß ja nie). Das Stichwort lautet: P/um/pgu/n. Am 24. Mai 2006 habe ich dieses martialische Etikett jener leider noch immer weit verbreiteten Praxis umgehängt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Presseaussendungen auf alle loszuball/ern, die bei drei noch nicht den Finger auf der Delete-Taste haben. [...]

  7. virtual bites » Blog Archiv » Ausweg für die Königskinder?

    [...] Presseaussendungen werden nach dem Gießkannen-Prinzip distribuiert (ich habe das einmal P.u.mpgun-PR genannt, was mir eine Menge Pageviews – allerdings von der falschen Zielgruppe – eingebracht [...]

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