ein future bytes weblog

virtual bites

"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Monatsarchiv für November 2007

PolitCamp(en) im Mai

Dienstag, den 27. November 2007

Heinz Wittenbrink hat die Katze aus dem Sack gelassen: Am 30. und 31. Mai 2008 findet an der FH Joanneum das PolitCamp statt, eine Unconference, auf der ausgelotet werden soll, welche Möglichkeiten Web 2.0 für die politische Kommunikation und Meinungsbildung bereit hält. Spannende Sache, also schon mal den Termin vormerken!

Details finden sich auf dem BarCamp-Wiki.

Eine Catostrophe (?)

Montag, den 26. November 2007

Martin Bredl hat mir soeben den Tag versaut. In seinem Blog lese ich, dass sich der Herausgeber der österreichischen Tageszeitung mit dem monarchistischen Titel unters bloggende Volk gemischt hat.

Ich hätte wohl besser nicht gleich HansDichandBloggt einem ersten Augenschein unterziehen sollen. Wer rollt mir meine Zehennägel jetzt wieder aus? Ich habe mich nämlich sogleich ganz schrecklich gefürchtet: Die Demokratie sei in Gefahr, weil sich die böse Bundesregierung dem “Krone”-Diktat nicht beugen will und keine Volksabstimmung zum EU-Vertrag durchführt. Wo sich doch die “Krone” so ganz der Volksaufklärung in Sachen EU-Vertrag verschrieben hat, dass sie sogar den Vertragstext zum Download anbietet. - Ach so, tut sie nicht? Nur der Kindermann klärt auf? Naja, das kann einen gelernten Österreicher auch nicht mehr erschüttern.

Ganz klar ist mir der Sinn des Transfers der catonischen Ergüsse (inklusive Feedback in von der Printausgabe gewohnter “Leserbrief”-Qualität) nicht. Was will der alte Mann in der Blogosphäre? Den Dialog sucht er schon mal nicht, das “Blog” - im Grunde ist es nur eine Online-Publikation mit Kommentarmöglichkeit - ist für ihn anscheinend nur eine weitere Tröte. Neue Zielgruppen erreichen, die sein papierenes Kleinformat nicht erwischt? Ob dazu sein Geblogge genügt? Wir werden sehen.

Im schlimmsten Fall weiche in halt in die Sphäre des Micro-Bloggens aus :-)

Dafür bekommt - im Sinne der Demokratie fördernden Meinungsvielfalt - das Krone-Blog einen Link.

Können Sie Web2.0isch?

Mittwoch, den 14. November 2007

(Aus der Abteilung “Das hat uns gerade noch gefehlt”)
Sie wollen endlich auch einmal so richtig mitreden können, wenn die geeks einander mit unverständlichem Web 2.0-Kauderwelsch übertrumpfen? Nicht mehr stumm, mit ungläubig geöffnetem Mund und glasigen Augen zusehen, wie Sie nichts kapieren?

Der Rettung ist da! Sie werden zwar noch immer nichts verstehen, aber wenn Sie erst einmal - mit dem Web 2.0 Bullshit Generator bewaffnet - so richtig loslegen, wird es Ihrer Umgebung genau so gehen. Wenn Sie Formulierungen wie “aggregate data-driven widgets”, “syndicate semantic folksonomies” oder “design dynamic synergies” in die Runde werfen, liegt Ihnen die Männer/Damenwelt (Nichtzutreffendes streichen) garantiert zu Füßen.

Selbstverständlich alles in Englisch. Ich bitt’ Sie, das ist schließlich Web tu ou.

(Gefunden bei Emptybottle.org)

PR Conversations im medianet

Dienstag, den 13. November 2007

Werner Schuster hat aus zwei Gesprächen, die wir heuer miteinander geführt haben, einen ausführlichen Artikel gedrechselt, der in der Ausgabe vom 13.11. des medianet (Online- und Print-Ausgabe) erschienen ist. Unter dem Titel “Vom PR-Kirtag zur Wahlkampf-PR” geht es vor allem um das kollektive internationale PR-Blog PR Conversations und um die Frage, welche Fragen Social Media für die Public Relations aufwerfen. Allfällige Dummheiten und Absurditäten sind auf meine Antworten, nicht auf seine Fragen zurückzuführen.

Werner Schuster betreibt übrigens ein bemerkenswertes Literatur(kritik)-Blog mit dem trefflichen Namen Eselsohren.

Konki je t’adore

Montag, den 12. November 2007

Als Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes hat man es echt nicht leicht. Da müht sich der Herr Konken redlich, dem Ausbund allen kommunikativen Übels, also dem Internet, das Gesicht von der verleumderischen Fratze zu reißen und der Welt (nein, nicht der Zeitung, sondern diesem globalen Dingsda) die Augen zu öffnen, und schon fällt ihm einer der vom Internetvirus offensichtlich heftigst befallenen Unterläuf… Kollegen beckmesserisch in den Rücken.

Das musste ja schon einmal gesagt werden:

“Blogs sind (…) eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.” (Quelle: Konken-Rede zum DJV-Verbandstag 2007)

Wer allen Ernstes solchen Unsinn verzapft, dessen Borniertheit wird wohl nur von seiner Ahnungslosigkeit übertroffen.

Thomas Knüwer (Handelsblatt) macht es sich aber nicht so einfach wie ich und zerzaust seinen Vorsitzenden nach allen Regeln der Kunst. Chapeau!

Kasperl und das Blogodil

Mittwoch, den 7. November 2007

Top 10(0)-irgendwas-Blog-Listen sind schon etwas Tolles, vor allem dann, wenn das eigene Blog darin aufscheint. Es ist verständlich, dass viele (die meisten? alle?) Blogger möglichst viel Beachtung finden möchten und daher an einem Instrument interessiert sind, welchen Einfluss die eigene Schreibe hat. Das Technorati-Ranking aus Authority und incoming Links ist eine höchst unflexible und wenig akribische Meßlatte.

Auch wenn “Alle Macht dem Long Tail” zutreffen mag, das Ego bürstet es nicht unbedingt auf. Also bleiben nur sorgfältig zusammengestellte, gut ausgebrütete Top-10(0)-Listen als Alternative. Je nach Anspruch mag das hin und wieder sogar funktionieren. Es gebiert aber auch eigenartige Kreaturionen, wie jene des CASCADES Project der Carnegie Mellon University. Wobei nicht das Projekt selber seltsam ist (ganz im Gegenteil handelte es sich um ein hochkomplexes mathematisches Modell, das zur Veranschaulichung und unter ganz bestimmten Bedingungen auf eine Vorauswahl von Blogs angewendet wurde), sondern die Reaktion: Einige Blogger haben dies zum Anlass genommen, die “Wissenschaftlichkeit” der Top100-Blogs über die Maßen zu rühmen, weil - erraten! - sie selber gelistet sind.

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Notwehrüberschreitung

Donnerstag, den 1. November 2007

Chris Anderson, Chefredakteur des Wired Magazine, Buchautor und Blogger, hatte eine Schnapsidee: Der vielen unwillkommenen Presseaussendungen überdrüssig, die täglich in seinem E-Mail-Postfach aufschlagen (er spricht von rund 300), hat er zu einem ziemlich drastischen Mittel gegriffen. In seinem Blog “The Long Tail” hat er einfach die E-Mailadressen von rund 350 “ÜbeltäterInnen” publiziert, die seiner Ansicht nach einfach “zu faul” gewesen seien zu recherchieren, wem sie die Mitteilungen korrekterweise hätten zukommen lassen sollen. (Aufschlussreich sind die zahlreichen Kommentare.)

Ich verstehe zwar den Unmut, der sich aus der lästigen Bürde speist, andauernd aus einem Haufen von Spreu jene paar Weizenkörner herauszusuchen, die für die eigene Arbeit brauchbar sind. Ich könnte auch noch nachvollziehen, wenn Anderson - in einer Art Notwehrreflex - die Absenderadressen in seinem E-Mailprogramm einfach ausfiltert (was er ja auch seinen Angaben zufolge auch tut), auch wenn ich mich frage, auf welch abgehobenem Niveau sich der Herr bereits bewegt.
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