Fax. Urschrei
Sollten Sie heute Vormittag durch einen Brüller in Urschrei-Lautstärke aus Ihrer wochenplanerischen Kontemplation gerissen worden sein: sorry, das war ich. Auslöser der vehementen akustischen Entäußerung war eine Einladung zu einem “Profiworkshop”, die ich in meinem Fax(!)gerät vorgefunden habe: “Weblogs: Chancen & Risken für die Unternehmenskommunikation”.
Es wirkt unerhört professionell und glaubwürdig (ganz Brecht’scher Verfremdungseffekt?), eine Veranstaltung zu einem “Tech 2.0″-Thema mit “Tech 0.5″-Werkzeugen zu promoten. Wir dreschen ja auch die Mikrochips mit dem Faustkeil in die Platinen. Es ist umso unverständlicher, als dem Veranstalter meine E-Mailadresse wohlbekannt ist.
Der zweite Auslöser und Schreikraftverstärker ist der Titel. Leute, fällt euch wirklich nichts mehr anderes ein als das öde “Weblogs: Chancen und Risken für …”? Ich kann’s nicht mehr hören/lesen. Bekäme ich für jede dokumentierte Einfallslosigkeit bei der Titelwahl einen Euro, könnte ich mir den Profiworkshop (EUR 595,- + MWSt.) locker leisten. Denn inhaltlich kann man sich bei Referenten wie Rainer Bartel (“rainer sacht“) und Thomas Knüwer (“Indiskretion Ehrensache“) doch einiges an Qualität erwarten.
Ich kann mir allerdings nur schwer vorstellen, dass sie sich mit dem Titel und der technischen Form der Ankündigung wirklich so hundertprozentig identifizieren können.

Am 5. März 2007 um 10:56 Uhr
Mensch Pirchner…. kann es sein, dass ich dich heute sogar in Kärnten gehört habe? In einem Auto sitzend mit angestelltem Radio und 160 km/h (weil Testrecke)… By the way: Extrem schräge Kontaktaufnahme. Nächstes Mal schicken sie Brieftauben oder einen berittenen Boten *g*
Am 5. März 2007 um 11:10 Uhr
Hoffentlich hast du nicht das Lenkrad verrissen, sonst komme ich nicht nur wegen ungebührlicher Lärmerregung, sondern auch wegen Gemeingefährdung zum Handkuss
Aber im Ernst: Wir überlegen schon, ob wir uns nicht eine Buschtrommel anschaffen sollen.
Am 5. März 2007 um 11:34 Uhr
das wüde sich bestimmt auszahlen. die könnte man dann auch für andere rühren. buschtrommel 2.0 oder so…
Am 6. März 2007 um 07:44 Uhr
Blogger geben Nachhilfeunterricht für PR-Leute…
Dass zu einem Workshop mit dem überaus spannenden Titel "Weblogs: Chancen & Risken für die Unternehmenskommunikation" per Fax eingeladen wird, bringt nicht nur Markus Pirchner zum Schreien und zur ketzerischen Anmerkung: "Es wirkt un…
Am 16. März 2007 um 14:04 Uhr
[...] Im Vorfeld hat ja der eine oder andere Blogger über die Sache gemutmaßt bzw. sich darüber lustig gemacht, dass in einer zweiten Welle so ganz un-web2.0-ig per Fax eingeladen wurd. Interessanterweise kam etwa die Hälfte der Anmeldungen als Reaktion auf diesen Faxversand. Was mir sagt, dass (zum Glück! zum Glück!!) die dreimal verfluchte Web-2.0-Blase die Hirne der rechtschaffenen PR-Leute in den Unternehmen noch nicht vernebelt hat. Außerdem: Auch bei mir landen Mail-Einladungen zu Aus-, Fort- und Weiterbildungsangeboten eher im Spam… [...]
Am 18. März 2007 um 11:05 Uhr
@Rainer: Wagen wir mal den Umkehrschluss, dann müsste ich mich wohl zu den nicht rechtschaffenen PR-Leuten zählen, denen die Web-2.0-Blase das Hirn vernebelt hat. Und die Verwendung von Uralt-Technologien wäre ein Segen, und dass man mit der großen Gießkanne arbeitet, anstatt sich auf die kommunikativen Ansprüche der einzelnen Adressaten einzustellen, der Weisheit letzter Schluss?
Das kann’s ja wohl nicht sein in einer Zeit, in der von one-to-one-Kommunikation nicht nur geredet wird, sondern wofür es auch die entsprechenden technischen Hilfsmittel gibt – und gerade Convento müsste das ja am besten wissen, immerhin leben sie ja von solchen Tools! Wenn mir jemand per Fax eine Einladung schickt, muss ich davon ausgehen, dass sich der Sender offenbar nicht informiert hat, wer ich bin oder wie ich kommuniziere. Es war dem Sender offenbar egal; und warum sollte ich mich für derartige Ignoranz begeistern?
Es mag schon sein, dass einige Teilnehmer per Fax geantwortet haben – aber vielleicht haben sie das nur deshalb getan, weil sie keinen Medienbruch verursachen wollten.
Und was E-Mail mit Web 2.0 zu tun haben soll (dieser Zusammenhang lässt sich zumindest aus der Formulierung heraus schälen), weiß wohl nur der Rainer, aber vielleicht sacht er uns das ja noch.
Wer nicht in der Lage ist, E-Mails so zu versenden, dass sie NICHT im Spamfilter landen, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.
Es sei natürlich allen unbenommen, ihr Heil im Fax zu suchen. Viel Spaß im Museum!