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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Glotze neu

Beinahe hätte ich den Beitrag mit “Glotz-Tec 2.0” übertitelt, denn darum ging es – zumindest in rudimentären Ansätzen – bei tvienna 2007, dem 1. Wr. Symposium zu Fernsehen und Medienwandel. Technisch orientierten TeilnehmerInnen mag sich die aphrodisierende Wirkung von digitalem, interaktivem und mobilem Fernsehen enthüllt haben; jene, die sich – wie ich – wenigstens ein paar Nebensätze zu den kulturellen, sozialen, kommunikativen Auswirkungen der technischen Flimmerkisten-Evolution (pardon: Nicht-mehr-Flimmerkisten-Evolution) erhofft hatten, blieben zwangszölibatär.Bei aller Euphorie über Rückkanäle und Interaktion und User Generated Content, die in den Präsentationen (zum Teil in übelster PowerPoint-Manier vollzogen) durchschimmerte oder -blitzte, wurde zu bereitwillig übersehen, dass einer großen Anzahl von “Rezipienten” in Sachen Mitmach-Qualität, Interaktivität und Vernetzung mit dem Internet bereits eine technologische Plattform zur Verfügung steht, die in Sachen Zweinulligkeit dem TV der näheren Zukunft weit überlegen ist.

Besonders kurios habe ich den Beitrag von Karl Watzl (Journalist und Berater) empfunden, in dem von Teleshopping, Auktions-TV, Rätsel-TV und Beratungs-TV als derzeit zentralen Emanationen der Interaktion die Rede war. Wenn’s nicht sofort klickt: Beratungs-TV ist die euphemistische Umschreibung der Auslassungen diverser Horoskop-Tanten und Astro-Onkels; unter Rätsel-TV darf man(n) sich die – zur späteren Abendstunde zunehmend leichter geschürzten – Damen vorstellen, die nach Automarken mit O fragen und tolle Gewinne in Aussicht stellen (was von kritischeren Geistern als reichlich dubioses Geschäftsmodell eingestuft wird; es sollen auch Begriffe wie “Abzocke” gefallen sein). Also ehrlich, deswegen hätt’s die Interaktivität (die ohnehin medienbrüchig über Telefon erfolgt) nicht gebraucht. Aber da ganz offensichtlich ein Markt dafür existiert, gibt es auch Anbieter (9Live etwa erzielte 2006 damit einen Umsatz von fast 100 Mio Euro.)
Der Fairness halber füge ich hinzu, dass die Digitalisierung (und “Mobilisierung”) des TV auch durchaus sinnvolle Funktionalitätserweiterungen ermöglicht, wie beispielsweise die Angebote von aon digital (etwa im Gesundsbereich) belegen. Diese zeigen aber auch, dass das Fernsehgerät künftig diesen Namen nicht mehr verdient, sondern zu einem opto-akustischen User-Interface wird, über das auch die herkömmlichen Programmangebote bezogen werden können. Vermutlich ist das ein Mitgrund für die argwöhnische Haltung der TV-Anstalten gegenüber den Infrastrukturbetreibern (z.B. TelCos), die auch Martin Bredl beobachtet hat.

Schon begriffen?

Im Gegensatz zu Martin habe ich das kommunikationstheoretische Interstitial von Prof. Dr. Roland Burkart (Publizistik-Institut der Uni Wien) nicht besonders interessant gefunden. Abgesehen davon, dass er zu viel Zeit daran verschwendet hat, den Begriff Medium nach schlechter deutscher Wissenschaftsart quasi seit Adam und Eva herzuleiten, ist er zur auch nicht umwerfenden Erkenntnis gelangt, dass es für das “neue Fernsehen” keinen neuen Medienbegriff braucht, da wir dafür seit zehn Jahren ohnehin den Terminus “quartäres Medium” haben. Das ist aber auch anderen in der vergangenen Dekade nicht verborgen geblieben.

Bedarf sieht Burkart dagegen für einen neuen Publikumsbegriff; der müsse aber erst systematisch analysiert und entwickelt werden. Angesichts der Tatsache, dass zumindest im anglophonen Raum seit mindestens 2000 ausgiebig über die Mutation der Rezipientenrolle diskutiert und geforscht wird, halte ich dieses Fazit für etwas dünn. Aber reißt’s euch bloß keinen Hax’n aus, die Praxis funktioniert derweil auch ohne Theorie ganz gut. :-)

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Eine Reaktion zu “Glotze neu”

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