(K)eine Strandlektüre
Ob es eine gute Idee ist, mitten im Urlaub, am Strand liegend, ein zu rezensierendes Fachbuch zu lesen, sei dahingestellt. Entweder macht das entspannte Faulenzen zu nachsichtig gegenüber etwaigen Unzulänglichkeiten oder das Verdikt fällt harscher aus, weil man sich um kostbare Zeit betrogen fühlt.
Im Falle von Klaus Ecks “Corporate Blogs. Unternehmen im Online-Dialog zum Kunden” (2007, orell füssli) trifft weder das eine noch das andere zu. Erstens hatte ich die Buchbesprechung zugesagt (zu finden in den PRVAnews) und zweitens sind die knapp 190 Seiten ohnehin in einem Nachmittag durchgeackert (siehe nachfolgendes Foto):

Offen gestanden konnte mich das, was der PR-Blogger da an Erkenntnissen zwischen die Buchdeckel gesteckt hat, nicht überzeugen. Es mag eine brauchbare Einführung in das Thema für C-Level-Manager sein oder PR-Praktiker, die gerade ihre ersten Tappser in der Blogosphäre unternehmen, also einen etwas größeren Teil des eher bescheidenen Kuchens bedienen (das sei dem Autor unbenommen und jeder Umsatz sei ihm gegönnt), aber schön langsam brauchen wir Geschriebenes von anderem Kaliber, das sich nicht scheut, ordentlich in die Tiefe - bzw. ans Eingemachte - zu gehen.
Klaus Eck hat sich dieser Aufgabe leider nicht unterzogen, obwohl er kraft seiner Expertise und Erfahrung eigentlich in der Lage hätte sein müssen. So sind es auch nicht die Dinge, die Eck schreibt, sondern jene, die er ausspart, die einen ambivalenten Eindruck hinterlassen. Überlegungen zum ROI von Corporate Blogs, die Integration in den Kommunikationsmix, Auswirkungen auf die Corporate Culture etc. - all das habe ich vergeblich gesucht.
Stichwort “gesucht”: Das rudimentäre Glossar, der komplett fehlende Index und das etwas knapp ausgefallene Literaturverzeichnis erleichtern den Umgang mit dem Buch eher nicht. Da Klaus Eck einige Redundanzen eingebaut hat (repetitio est mater studiorum?), wogegen nichts zu sagen ist, hätte ein Index die Usability erheblich gefördert.
Aus den obigen Kritikpunkten zu folgern, dass “Corporate Blogs” für die “Fisch’” sei, würde dem Buch Unrecht tun. Es ist - wie Ansgar Zerfaß in seiner Besprechung feststellte - eine lesenswerte Einführung. Meinen Vorstellungen von einem fundierten Handbuch genügt es jedoch nicht. Auf ein solches werde ich wohl noch ein wenig warten müssen.
Tags: corporate-blogging, eck