Nachhilfe
Wenn ein Mensch einen hoch bezahlten Job hat, sich aber trotz zahlreicher kritischer Einwände nicht davon abbringen lassen will, in einem ganz anderen Metier tätig zu werden, dann sagen vermutlich die Wohlmeinenden, er oder sie habe endlich die wahre Berufung gefunden, die anderen dagegen werden annehmen, er/sie habe nicht mehr alle Tassen im Schrank.
Außer, es handelt sich um einen österreichischen Bundeskanzler. Da darf man argwöhnen, er sei von einem heftigen Schub plumpen Populismus heim gesucht worden. Mehr als einen simplen Trick politischer Propaganda vermag ich beim besten Willen im Gusenbauerschen Bestemm, sein Wissen nachhilfeweise irgendwelchen SchülerInnen aufzudrängen, nicht zu sehen.
Im Grunde ist die Geste UHBK ein ziemlich fieses Manöver, insinuiert sie doch, dass das, was der Politiker Gusenbauer sich zumutet, den Studierenden allemal auferlegt werden könne. Noch dazu macht UHBK es kostenlos, da werden sich die Studis doch mit 6 Euro zufrieden geben können (die Stundensätze für Reinigungspersonal sind übrigens um einiges höher).
Es geht mir nicht um die Frage der Studiengebühren - zu diesen habe ich zwar eine (unqualifizierte) Meinung, aber nicht die erforderliche Expertise -, sondern um die politische Kommunikation, die gar nicht erst den Dialog mit den Bezugsgruppen sucht. Da wird mit “Spin”-Methoden operiert, unterschwellig Stimmung gegen eine Interessensgruppe erzeugt, manipuliert, statt gemeinsam mit den Betroffenen alternative Lösungen auf ihre Umsetzbarkeit abzuklopfen. Also das alte, altbackene Verständnis von Politik und der Beziehung von Regierenden und Regierten, in dem Dialog nicht vorgesehen ist.
Aber vielleicht missverstehe ich den Nachhilfe-Trip des Bundeskanzlers und dieser ist nur der erste Schritt der gesamten Bundesregierung, sich regelmäßig unters Volk zu mischen und die Alltagssorgen und -nöte hautnah zu erfahren: Der Landwirtschaftsminister bringt den Flüssigdünger aus und schwingt die Mistgabel, der Wissenschaftsminister setzt sich in überfüllte Hörsäle, die Frauenministerin putzt und kocht für Subproletariats-Familien usw. (Der Verteidigungsminister könnte ja den Grundwehrdienst nachholen.)
Das hätte wenigstens den heilsamen Effekt, dass sich die Politik möglichweise wieder darauf besönne, dass sie real existierenden Menschen verpflichtet ist.
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