Politiker in (Kommunikations-)Not (1)
Politiker gehören zu jenen Berufsausübenden, die in besonderem Maße professioneller PR-Beratung bedürfen. Aber nicht immer erhalten (wollen).
Nehmen wir beispielweise einen ehemaligen Vizekanzler der Republik Österreich, den das widrige Schicksal eines ungünstigen Wahlausganges in die Wirtschaft verschlug und der sich zur Auffrischung der in Amtszeiten erlangten Kontakte unzureichender Mittel bediente, sowohl was das Briefpapier als auch was die Sprache betraf.
Die Details (“The world in Vorarlberg is too small …”) dürfen als einigermaßen bekannt voraus gesetzt werden. Mich interessiert hier aber mehr, ob bzw. wie PR dieses Desaster für die Reputation eines ehemaligen Spitzenpolitikers hätte verhindern können:
Ein schlechter PR-Berater hätte möglicherweise dazu geraten, die Sache als Versehen eines übereifrigen Mitarbeiters hinzustellen, der das Rohkonzept des Briefes, das zufällig auf einem herum liegenden Bogen ministrialen Briefpapiers verfasst wurde, als dessen Endfassung angesehen und verschickt habe. Wir haben in Österreich schon Haar sträubendere Geschichten gehört und gelesen.
Ein guter PR-Berater hätte vermutlich die gesamte abstruse Briefschreiberei zu verhindern gewusst, statt dessen angemessenere Formen der Kontaktanbahnung vorgeschlagen und so Ruf und wirtschaftliche Chancen gewahrt.
Die Absenz eines PR-Experten bzw. einer -Expertin hat stracks ins Debakel geführt: Im ersten Abwehrreflex des ehemaligen Autobahnbeschleunigers beschwert er sich darüber, dass der Brief in die Medien gelangt sei (Bruch des Briefgeheimnisses, als ob das zu diesem Zeitpunkt irgendjemanden interessiert hätte);
dann behauptet er, die missbräuchliche Verwendung von offiziellem Briefpapier eines Ministeriums inkl. Staatswappen sei Usus (was, wenn es wahr wäre, die Angelegenheit noch bedenklicher machte und ihn obendrein nicht vor möglichen rechtlichen Konsequenzen schützte);
zu guter Letzt behauptet er in einer Art “Trotzreaktion”, sich im Englischen sehr wohl zu fühlen. Das mag ja in der subjektiven Einschätzung zutreffen, wird aber durch die in und von den Medien am vorliegenden Objekt genüsslich zelebrierte linguistische Vivisektion ad absurdum geführt.
Ohne PR-Unterstützung hat der Ex-Vizekanzler - wohl nicht ahnend, was er anrichtet - emsig an der Demontage seiner Rest-Reputation gefuhrwerkt. Um es in Gorbachschem Wohlfühl-Englisch zu sagen: “You become, what you earn.”
Tags: politische-Kommunikation

Am 22. Oktober 2007 um 09:17 Uhr
die Sache mit dem Brief ist schon einigermaßen pikant. Andererseits hatte der Mann während seiner Zeit als Minister bereits so viele Möglichkeiten, sich bzw. seine Reputation nachhaltig zu beschädigen. Und er hat sie allesamt genutzt. Jede einzelne…