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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Public Relations go SM

Ich muss Sie enttäuschen, wenn Sie die Headline g’schmackige Enthüllungen über den Einsatz von Latex, Leder, Peitschen, Handschellen und ähnlichem Instrumentarium in der PR-Branche hat erwarten lassen. “SM” steht hier für - Social Media.

Seit ein paar Wochen buhlen nämlich gleich zwei für PR-Leute konzipierte social networks um Gefolgschaft: MyRagan (seit Anfang Mai) und The Communicators’ Network (seit Ende Mai). In der relativ kurzen Zeit seither haben beide Plattformen eine recht ansehnliche community um sich scharen können (ca. 5.500 bei MyRagan, rund 1.200 bei TCN), die sich auch recht intensiv - in 110 Gruppen und 19 Foren (MyRagan) bzw. 33 Gruppen und 9 Foren (TCN) austauscht.

Dass beide Netzwerke bisher nur einen Bruchteil der global rund 3 Mio PR-PraktikerInnen erreicht und als Mitglieder gewonnen haben (beide sind bei vollem Funktionsumfang kostenlos nutzbar), ist nicht weiter verwunderlich, ich frage mich jedoch, ob es ihnen gelingen wird, die “geografische Schlagseite” loszuwerden, die beide derzeit mit sich herum schleppen. Sowohl bei MyRagan als auch beim Communicators’ Network stellen die USA und UK die mit großem Abstand größten Mitgliedergruppen. (Andere) europäische Länder sind spärlich bis gar nicht vorhanden; dies gilt besonders für die deutschsprachigen: 1 AT (guess who ;-))/2 DE/13 CH bei TCN, 2 AT/12 DE/8 CH bei MyRagan.

Da finden sich ja mehr PRVA-Mitglieder bei XING als PR-Leute bei den dezidierten PR-Networks zusammen. Das scheint mir im Moment auch ein Problem für die beiden Neuankömmlinge zu sein: Abgesehen davon, dass beide in erster Linie auf internal communicators abzielen (dem angestammten Bereich beider Trägerunternehmen - Melcrum und Ragan), haben die großen Business-Networks - XING und LinkedIn - bereits einer Menge von PR-Leuten einen brauchbaren Platz für ihre sozialen und professionellen Kontakte geboten. (Nur so zum Drüberstreuen ein Beispiel: Die Premium-Gruppe “brand eins” bei XING hat derzeit mehr als 24.000 Mitglieder.) Und wieviel Zeit kann ein durchschnittlich engagierter PR-Mensch schon für social networks erübrigen?

Ob sich die eine oder die andere Plattform (oder beide oder keine) wird auf Dauer durchsetzen können, wird nicht zuletzt davon abhängen, welchen Nutzen sie der PR-Branche global bieten können. Derzeit weisen weder MyRagan noch TCN funktional über die dominanten professionellen social networks hinaus. Ein weiterer Erfolgsfaktor wird die Qualität der Diskussionen und Beiträge der community sein; da hat nach meinem Gefühl (so detailliert habe ich es nicht untersucht) TCN einen Vorteil, da es sich ausdrücklich an erfahrene PR-Leute richtet. Allerdings liegt, was die Tiefe und Breite des Diskurses betrifft, das kollektive PR-Blog PR Conversations nach wie vor weit voran (und das nicht etwa, weil ich daran mitwirke).

Wer den Zug aber wahrscheinlich völlig verschlafen hat, sind die großen internationalen PR-Verbände (wie z.B. IABC, Global Alliance etc.), die sich von ihren Mitgliedern Vorhaltungen machen lassen müssen, das Feld dedizierter social networks für die PR-Branche kampf- und ideenlos kommerziellen Anbietern überlassen zu haben. Dennoch bin ich der Meinung, dass ein deklariert europäisches PR-Netzwerk gute Chancen auf Erfolg hat. Hätte jemand Lust? :-)

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12 Reaktionen zu “Public Relations go SM”

  1. hannestreichl

    Markus, hättest du (weil du weiter oben AT Bezug nimmst) da nicht fast ein wenig weiter ausholen müssen und (1) Social Media und (2) dessen Chancen für PR erklären müssen?

  2. Markus Pirchner

    Hannes, (Radio Eriwan:) Im Prinzip, ja. Aber der Artikel ist eh schon so lang ;-)

  3. thomaspleil

    Bin mir gar nicht so sicher, ob man mit langen Erklärungen zum Sinn von Social Media beginnen muss. Finde den Vorschlag eines europäischen Netzwerkes sehr spannend und denke, man sollte überlegen, was so eine Fach-Community ihren Mitgliedern konkret bringen kann. Da werden auf der einen Seite Abgrenzungen zu vorhandenen Communities sinnvoll sein (z.B. gibt es auf XING ein aktives Forum zu Business Weblogs), und es sollte überlegt werden, welche Themen bisher von keiner Community erschlagen werden. Aber allein die Möglichkeiten der Vernetzung (à la “suche Autoren für Fachartikel zu…”) ist auch schon interessant - gemischt mit einigen guten Diskussionsthemen ist das schon vorstellbar.

  4. Markus Pirchner

    Die Faszination (?) von Social Media entsteht ja nicht aus ihrer Erklärung, sondern aus der konkreten Nutzenerfahrung, die man damit macht (oder auch nicht). Ich stimme Thomas darin zu, dass einerseits (positive) Abgrenzung, anderseits eine gewisse Originalität der Servicezusammenstellung erforderlich wären. Dazu noch personelle und finanzielle Ressourcen (sonst hätte ich eh schon angefangen zu entwickeln :-))
    Eine qualifizierte Nische ohne Walled-Garden-Charakter. Eine Herausforderung. Sollten sich ein paar Interessierte finden, könnten wir ja schon mal anfangen. Ich wär dabei.

  5. thomaspleil

    Me too ;-)

  6. Helge Fahrnberger

    Welches große, vordringliche Problem würde so eine Plattform lösen?

    (Das ist meine Standardfrage, wenn jemand über eine Produktidee nachdenkt. Denn wenn es kein großes, vordringliches Problem gibt - weil zb. eine Xing-Gruppe oder andere Plattformen die Anforderungen halbwegs gut abdecken - ist es m.E. sinnvoller, sich anderen Dingen zuzuwenden.)

  7. Markus Pirchner

    @Helge - eine richtige, eine wichtige Frage, die ich aber hier nicht unbedingt diskutieren möchte, das wäre dann schon “giving it away”. Nur so viel: Xing und LinkedIn sind vielleicht zu unspezifisch, das Themengebiet viel breiter (und tiefer) als in anderen Plattformen abgedeckt, “sense of belonging”, kulturelle Identität(en) bzw. Unterschiede usw.

  8. Helge Fahrnberger

    Verstehe. Spannend!

  9. PR-Verbände unter ein Dach? Oder: Wo spielt die Musik? « Das Textdepot

    [...] sozialen Networks wie MyRagan oder The Communicators’ Network zu spielen, auf die Markus Pirchner neulich hinwies. Lustigerweise haben übrigens gerade Mitglieder des nicht gerade unbedeutenden [...]

  10. Heinz Wittenbrink

    “People keep asking me to join the LinkedIn network,” he said, “but I’m already part of a network, it’s called the Internet.” (Gary McGraw, zitiert von Jon Udell in “Critical mass and social network fatigue, gefunden via langreiter.com).

    Bei einer wirklich offenen Plattform würde ich mich gerne beteiligen. Vielleicht wäre eine Facebook-Applikation eine Möglichkeit. Spannend fände ich übrigens so etwas wie eine techmeme-Version für PR-relevante Themen,

  11. Helge Fahrnberger

    @Markus: Ist die Idee eines PR-Branchennetwerks seit diesem Posting eigentlich weiter gediehen?

  12. Markus Pirchner

    @Helge: Leider nein. Ich habe es allerdings - aus Zeitgründen - auch nicht weiter verfolgt, hätte aber gute Lust, das Thema weiter zu verfolgen und auch (konzeptionell) daran mitzuarbeiten.

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