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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Wer “suckt” mehr?

Martin Bredl nimmt sich - gentleman-like wie immer - Georg Holzer zur Brust. Dieser hatte in seinem Blog am 29. November gleich die ganze PR-Branche grosso modo in die Pfanne gehauen. “PR sucks”, meint Georg, weil in den Presseaussendungen nie die ganze Wahrheit stünde. Martin empfiehlt ihm als Radikalkur den Versuch, doch einmal ein Monat lang ganz ohne Pressemitteilungen seinen Job zu machen.

Ziehen wir mal die Samthandschuhe aus: Schlechte PR “suckt” genauso wie schlechter Journalismus. Darüber brauchen wir uns, glaube ich, nicht besonders auszulassen. Aber Georg missversteht (absichtlich?) die Rolle von PR - und auch ihre Leistungen - gründlich. Es ist nicht die Aufgabe von PR, den Journalisten die gesamte Arbeit abzunehmen, indem sie nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Aspekte kommuniziert und die Hintergrundrecherche noch obendrein mitliefert. Wozu bräuchten wir dann noch Lohnschreiberlinge? Ergiebige Kontakte und Netzwerke sowie gewitzte Recherche sind doch schließlich die Chance, sich von den KollegInnen positiv abzuheben und sich zu profilieren.
Wettbewerb nennt sich das.

Unternehmenskommunikation ist in erster Linie dem Wohlergehen des eigenen Unternehmens verpflichtet, in zweiter Linie dem Wohlergehen der Gesellschaft. Das muss niemandem gefallen, ist aber so. Was das in einem (Web 2.0)-Umfeld bedeutet, das sowohl der PR als auch den Medien gegenüber zunehmend skeptisch eingestellt ist, kann jede/r für sich beantworten; meiner Meinung nach sind weder die einen noch die anderen - in Summe - derzeit ausreichend für diese Herausforderung gerüstet.

In seinem Kommentar auf Martins Blog fragt Georg (allen Ernstes?):

“Warum passiert PR nicht über Blogs?”

Vielleicht deswegen, weil der Großteil der JournalistInnen (Georg natürlich ausgenommen!) es dann überhaupt nicht wahrnehmen würden? Oder weil die Medien dann in den Grundfesten erschüttert würden, wenn keiner mehr ihre Gatekeeper-Funktion braucht?

Georg fragt auch (ibid.), ob die PR-Branche Journalisten für dumm hält. Es wäre vermessen von mir, für die Branche sprechen zu wollen, ein “Nicht alle” kann ich mir als Antwort allerdings schon vorstellen.

Aber im Ernst: Das Verhältnis von PR und Journalisten ist ein ziemlich delikates. Beide Seiten können einander zu Recht eine Menge vor- und an den Kopf werfen. Mist passiert auf beiden Seiten (wie oft geben Journalisten zu, wenn sie eine Recherche verbockt oder Schei*e geschrieben haben?). Dennoch sind sie - derzeit noch - aneinander geschweißt, was manchmal auch zu ziemlich unschönen Auswüchsen führt (Koppelungsgeschäfte nennt man das mitunter). Gleichstand auch bei den Imagewerten: Beide Branchen liegen regelmäßig am Ende der diversen Rankings, nur knapp vor Gebrauchtwagenhändlern.

Statt einander Prügel zwischen die Beine zu knallen, sollten sich die noch halbwegs Vernünftigen auf beiden Seiten darüber den Kopf zerbrechen, wie ein produktives, gesellschaftlich verträgliches Verhältnis von PR und Medien aussehen müsste - je verbindlicher, desto besser.

Mit deiner Generalattacke, lieber Georg, bist du aber lediglich gegen den Grenzpfosten geknallt :-)

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6 Reaktionen zu “Wer “suckt” mehr?”

  1. Georg

    Auch Journalismus ist nicht frei von Makeln. Manch ein Schreiber ist besser, manch einer weniger gut. Manch einer hat einen guten Tag, manch einer nicht.
    Ich hoffe, mich irgendwann zu den Guten zählen zu können. Ich mach viele Fehler und verlass mich allzu oft auf andere, weil die Zeit einfach nicht reicht, alles perfekt zu machen.

    Aber ich hab meine Meinung zu PR, die ich jeden Tag konsumiere - und sei es nur in Form von Produktfotos, die zur Verfügung gestellt wurden. Ich will auch nicht, dass mir da jemand die Arbeit abnimmt. Aber ein wenig Ehrlichkeit muss man erwarten können.

    Wenn PR von uns nicht mehr als ehrlich wahrgenommen wird, leidet die ganze Branche. Das ist der Kern meiner Kritik an euch.

  2. Markus Pirchner

    Es sparen nicht nur die Medien an den Ausgaben für die Redaktionen, sondern mitunter auch die Unternehmen am PR-Aufwand. Dass in solchen Fällen auf beiden Seiten die Qualität sinkt, ist so gut wie unvermeidlich.
    Der Zeit- und Arbeitsdruck ist in beiden Branchen gewaltig gestiegen, daher ebenso die Fehleranfälligkeit.
    Was die Ehrlichkeit betrifft: Die ist wohl nicht selten eine Frage der persönlichen Wahrnehmung; das ist mir bei deinem Nokia-Beispiel, das du andernorts beschrieben hast, durch den Kopf gegangen. Es handelte sich m.E. um zwei verschiedene Dinge: einerseits Produkt-PR, anderseits um eine Wirtschaftsmeldung; also um zwei verschiedenen Redaktionen. Wenn der nicht gewonnene Großauftrag ergebnisrelevant ist, musste Nokia sowieso eine Ad-hoc-Meldung absetzen. In beiden Fällen wärst du als Tech-Journalist (hoffentlich tu ich dir da jetzt nicht Unrecht) nicht die erste Adresse für eine entsprechende Aussendung. Im konkreten Fall weiß ich es nicht (und habe auch nicht die Zeit zum Recherchieren), aber es könnte sein, dass durch die redaktionelle Trennung manche Informationen zwar vorhanden sind, aber nicht alle potenziell betroffenen Journalisten erreichen.
    Das ist eine für PR-Leute knifflige Frage: Wer erhält welche Information? Denn wehe, man schickt eine technische oder Produkt-Pressemitteilung an die Wirtschaftredaktion oder eine Wirtschaftsmeldung an die Tech-Redaktion. Na Habediehre, dann sind die depperten PRler gleich wieder an die Wand genagelt oder gar ge-anderson-t.
    Machen wir’s persönlicher: Wann hast du das letzte Mal der PR-Abteilung (oder -Agentur) von Nokia detailliert mitgeteilt, welche Informationen du von ihnen haben möchtest?
    Von Medienprofis erwarte ich eigentlich schon, dass sie ein differenziertes Bild der PR-Branche entwickeln können, dass sie erkennen, wer gute und wer schlechte Arbeit leistet, wem zu trauen ist und wem nicht. Eine Branche pauschal zu verurteilen, weil einige Mist bauen, ist mir zu billig. Mit gleichem Recht könnten “wir PR-Menschen” sagen, die Journalisten sind unsichere Kantonisten, nur weil etliche von “euch” in ihrem Job schlicht versagen (und da rede ich noch gar nicht einmal von dem eigenartigen Zoo namens Lifestyle-Medien).

  3. chris

    Ich denke, es gibt da ein grundlegendes Missverständnis: PR steht nicht für PRessearbeit sondern für Public Relations.
    Wenn ein Journalist (und das sind sicher viele, nicht nur Georg) meint, PRler würden nichts anderes tun als unehrliche Presseaussendungen verfassen, dann läuft was grundlegend falsch. Sowohl Journalisten als auch PRler können dazu beitragen, dieses Bild zu verändern.

  4. Markus Pirchner

    @chris - Ganz richtig, PR erschöpft sich nicht in Media Relations. Allerdings nehmen JournalistInnen in der Regel nur diese eine, zugegeben in der Praxis nicht unbedeutende Seite von Public Relations wahr. Es ist leider so, dass nur wenige Journalisten eine Ahnung davon haben, was PR sind.

  5. chris

    @Markus: Dass es für Journalisten unbedeutend ist, was PR in Hinblick auf andere Teilöffentlichkeiten macht, ist teilweise noch einzusehen (obwohl das natürlich für eine umfassende Berichterstattung sehr wohl relevant ist).
    Dass aber selbst von den Media Relations nur Presseaussendungen wahrgenommen werden, ist ein schlechtes Zeichen. Das hat ganz sicher mit einem Ressourcen- und daraus folgend Aufmerksamkeitsmangel beider Gruppen - der PRler und der Journalisten - zu tun.

  6. Affäre Kampusch: Grenzen und Chancen des Politikerblogs · Helge's Blog

    […] derart maßgeschneidert wie auf Menschen, die für Vertrauen in der Wahlzelle werben. (Nein, auch nicht auf PR-Menschen.) Aber offenbar kann sich nicht jeder Politiker leisten, auch wirklich authentisch zu […]

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