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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Zeit für SL-Zwischenbilanz?

Wer in den vergangenen Wochen den Duktus der Diskussion um SecondLife verfolgt hat (falls noch jemand nach all der Aufgeregtheit so viel Restinteresse aufgebracht hat), konnte registrieren, dass nach der anfänglichen Euphorie das Pendel in die andere Richtung auszuschlagen beginnt. Ernüchterung kehrt ein, und damit auch eine gewissen Nüchternheit in der Einschätzung der Möglichkeiten von SL (und anderen virtuellen 3D-Welten) als Marktplatz und Kommunikationsplattform.

Der (erste?) Rausch scheint vorbei - und er dürfte bei einigen einen heftigen Kater hinterlassen haben, der sich unter anderem darin äußert, dem Controlling erklären zu müssen, was denn nun der ROI der fünf- bis sechsstelligen Dollar/Euro-Beträge wäre. SL hat sich allem Anschein nach (noch?) nicht als geeignete Plattform für nachhaltige Businessmodelle präsentieren können - die wenigen, in ihrer Authentizität hin und wieder angezweifelten Beispielle kommerziell erfolgreicher Entrepreneurs in SL, sind genau das: Ausnahmen.

Gut dran sind jene, die ihr Engagement von Anfang an als Experiment und Investment in Erfahrungszuwachs konzipiert und deklariert haben. (Ein bemerkenswertes Beispiel mit Österreichbezug ist die PR-Agentur Trimedia, siehe deren Fazit im Standard.) Gut dran ist sicher auch Linden Labs ;-)

Es wäre unsinnig, ein endgültiges Urteil über ein work in progress abgeben zu wollen. Ob SecondLife gescheitert ist (wie einige behaupten) oder das Model für Online-Kommunikation und Online-Business der Zukunft wird diese ohnehin unmissverständlich genug erweisen. In der derzeitigen Konfiguration scheint mir SL aber über seine eigenen Limitierungen zu stolpern:

  • es ist ein proprietäres System (trotz halbwegs offener API); ich kann mir gut vorstellen, dass eine OpenSource Basis die Entwicklung von 3D-Welten entschieden vorantreiben würde. Warum sollte man sich mit den 5000 SL-Servern (oder vielleicht auch schon mehr) begnügen, wenn im Internet hunderttausende zur Verfügung stehen?
  • Sowohl funktional als auch von den Inhalten her reicht Second Life nicht wesentlich über das First Life hinaus. Nichts, was nicht mit bereits vorhandenen Bordmitteln auch realisierbar wäre. (Teleportation! - wird vielleicht jemand einwenden wollen, aber das haben wir in Form von Hyperlinks schon so lange, dass wir schon gar nicht mehr wahrnehmen, dass dies nichts anderes ist als eine Teleportation von einer Informationseinheit zur nächsten.)
  • die “Erlebniswelt” von SecondLife ist, mit Verlaub gesagt, erbärmlich. Ich rede nicht von den Ausnahmen, die es auch gibt, aber das Übermaß an einfallsloser Schachtelarchitektur ist erdrückend. Und die Darreichung in Form grobschlächtiger Polygongrafik, die es vor zehn Jahren schon weitaus besser gab, macht aus dem ganzen alles andere als ein kulinarisches Ereignis.

Ich bin dennoch überzeugt, dass virtuelle 3D-Welten in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen werden und dass die PR-Branche in verstärktem Maße wird ausloten müssen, wie sie sich selbst weiter entwickeln muss, um dafür gerüstet zu sein.

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