Zwei hoffentlich insignifikante Signale
1.
Ich bekomme öfter Anfragen von Studierenden, die mich (und andere) für ihre Masterthesen/Diplomarbeiten etc. interviewen wollen. Manchmal, wenn die Anfrage verlockend genug ist, kann ich sogar die Zeit dafür erübrigen. Und selten, ganz selten erhalte ich dann ein Exemplar der fertigen Arbeit, so wie vor kurzem. Da finde ich einen PR-Kollegen zitiert: “Weblogs funktionieren (…) am besten, wenn sie (…) sehr persönlich sind, (…) weil es Voyeurismus befriedigt. Das Spannende an einem Weblog ist eigentlich Voyeurismus.”
Wie bitte? (Über den sorglosen Umgang mit Begriffen mag ich mich gar nicht erst aufregen.)
2.
Ein bekanntes, häufig auftretendes Phänomen (das einer gewissen Pikanterie nicht entbehrt) ist der fliegende Wechsel von JournalistInnen vom Medien- ins PR-Lager. Und dort meinen sie dann oft die PR neu erfinden zu müssen, bleiben aber häufig an ihrer Wahrnehmung von PR hängen, die von ihrer vorherigen Profession geprägt ist: Medienarbeit. So hat auch unlängst ein “gestandener” und renommierter Journalist sich auf die Suche nach seiner Nische gemacht und meint diese in “PR-Controlling” gefunden zu haben, die er für ein von der etablierten heimischen PR-Branche noch wenig beachtetes Feld hält.
Ich wünsche ihm jeden nur erdenklichen Erfolg, aber er wird möglicherweise bald entdecken, dass PR-Controlling nicht nur von ernstzunehmenden PR-Fachleuten schon lange betrieben wird, sondern dass sein Begriff von PR zu kurz greift. Sieht man sich das Kleingedruckte an, spitzt es sich auf Medienresonanzanalysen zu – also auf ein Teilgebiet der PR. Und wenn ich den Neo-PRler mit folgender Aussage zitiert sehe: “Mir geht es darum, dass Unternehmen ihre Pressekontakte professioneller, effizienter und letztlich erfolgreicher gestalten.”, dann habe ich a) das Gefühl, in einer Endlosschleife festzuhängen, und b) denke ich mir: in der PR nichts Neues.
Und dann wünsche ich mir, dass diese beiden Beispiele nicht signifikant sind für den Zustand und die Entwicklung der PR-Branche.
Tags: medienarbeit, medienresonanzanalyse, pr-branche, pr-controlling, voyeurismus, weblogs
