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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Warum ich das neue PRVA-Logo nicht gut finde

Seit kurzem hat der österreichische Public-Relations-Verband (PRVA), dessen Mitglied ich seit 23 Jahren bin, ein neues Logo. Dieses ist Bestandteil eines neuen Corporate Design, dessen andere optische Bestandteile aber erst noch offiziell das Licht der Kommunikationswelt erblicken müssen.

Ich weiß mich mit meiner eher negativen Meinung zum neuen Logo, die ich dem Vorstand auch schon mitgeteilt habe, in guter Gesellschaft (was die meisten “Kritiker” in der Kommentarsektion des Online-Standard ausschließt).

Das neue Logo stellt einen radikalen Bruch dar: Aus der Wortmarke wurde eine Wort-/Bildmarke, die Grotesk- wurde durch eine (sehr unmodern wirkende) Serifenschrift ersetzt, die geradlinig horizontale Ausrichtung wurde durch eine Schrägstellung abgelöst. Und last but not least hat sich auch das Blau verändert.

Anders gesagt: Es ist kein Pixel auf dem anderen geblieben. Man müsste also annehmen, dass auch bei der Organisation, die das Logo symbolisieren soll, ein radikaler Umbruch stattgefunden hätte. Aber weit gefehlt: Der PRVA entwickelt sich zwar quantitativ und qualitativ weiter, jedoch Schritt für behutsamen Schritt. Keine Revolution weit und breit. Manche, darunter auch ich, schätzen den PR-Verband auch als eher konservative Organisation ein. Die fundamentale Abkehr von der CD-Vergangenheit erscheint daher ziemlich willkürlich.

Ich bin der letzte, der bestreitet, dass es hoch an der Zeit für eine Modernisierung auch des optischen Erscheinungsbildes des PRVA war. Bei der jetzt gewählten Lösung, die auf das Konto von gantnerundenzi geht, hat man jedoch das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Wenn ich nicht völlig auf der Seife stehe, was Markenführung und Markenentwicklung betrifft, dann wäre eine wohl überlegte, aber behutsame Modernisierung angebracht gewesen.

Wortreiche Erläuterungen

Es ist ein schlechtes Omen, wenn ein Logo (bzw. neues CD) wortreiche Erläuterungen benötigt, um die dahinter stehende Idee und Vision verständlich zu machen. Einiges ist arg trivial geraten, etwa die Begründung der schräg gestellten Schrift, welche die Aufwärtrsentwicklung der Branche und des Verbandes symbolisieren soll. Allerdings habe ich auch schon andere Interpretationen gehört, z.B. dass “der Verband in Schräglage geraten” sei oder dass beim Absaufen auch das Heck der “Titanic” einen Aufwärtstrend gezeigt habe.

Das sind zwar neckische (Um)deutungen, denen ich einen gewissen Unterhaltungswert abgewinnen kann, aber die eigentliche Kritik richtet sich gegen die arg simple Vorstellung, dass man eine jeder Organisation und jedem Unternehmen implizite Idee/Vision/Zielsetzung – die positive (Aufwärts)entwicklung – auch noch visualisieren müsse.

In der Presseaussendung des PRVA ist zu lesen, dass das neue Design “deutlich jünger und dynamischer” sei. Das mag für das neue CD insgesamt stimmen (ich kenne es noch nicht), für das Logo trifft es mit Bestimmtheit nicht zu. Das zentrale optische Element, die Kreisfläche, baut auf der undynamischsten aller geometrischen Grundformen auf: eben dem Kreis. Ein Kreis (oder eine Kugel oder eine Walze) wird erst in einem labilen Gleichgewicht dynamisch – allerdings geht es dann bergab.

Und noch ein interpretatorischer Einwand sei gegen das neue Logo ins Treffen geführt: Die Wortmarke “PRVA” ist komplett vom Kreis eingeschlossen, d.h. es wir ein Drinnen und ein Draußen konstituiert, eine Barriere. Eine, will mir scheinen, verunglückte Symbolik für einen Kommunikationsverband, dessen Tätigkeitskern darin besteht, Barrieren abzubauen, Verständnis herzustellen, Beziehungen zu etablieren und zu pflegen usw.

Wie sich das neue PRVA-Logo im Vergleich zu anderen Logos europäischer PR-Verbände macht, zeigt die folgende (unvollständige) Zusammenstellung:

Logos europäischer PR-Verbände

Logos europäischer PR-Verbände

Das Urteil mögen sich die geneigten LeserInnen selber bilden.

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4 Reaktionen zu “Warum ich das neue PRVA-Logo nicht gut finde”

  1. Markus Pirchner

    Nachtrag: Gerade per twitter (@HGreenwood) folgende Links zu einigen sehenswerten Logo-Designs erhalten:
    http://www.1stwebdesigner.com/inspiration/35-smart-logos-with-second-thought-to-make-you-look-twice/
    http://webdesignledger.com/inspiration/33-creative-and-beautiful-logos

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  3. Ralf Tometschek

    Was ich (noch) viel schlimmer finde: die Grenzen desses, was unter PR angeboten/diskutiert wird, sind längst so verschwommen, dass es viel besser wäre, einen Kommunikationsverband draus zu machen.

  4. Markus Pirchner

    Nach dem PR-Verständnis des PRVA ist dieser ein Kommunikationsverband insofern, als er sich als Dachverband für alle Kommunikationsdisziplinen versteht, die man PR im weitesten Sinne zurechnen kann; also inklusive Public Affairs, Social Media, Corporate Communications usw. usf.
    Auf der anderen Seite auch ganz bewusste – und notwendige – definitorische Abgrenzung zu Werbung und Marketing. Zu beiden Branchen bestehen gute Kontakte, aber eine weitergehende Kooperation oder gar organisatorische Verschränkung scheint nicht sinnvoll.

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