Zwei Jahre sind genug
In den vergangenen knapp zwei Jahren habe ich mir lediglich einen einzigen Beitrag für dieses Blog abringen können. Dieses übermäßig ausgedehnte “Sabbatical”, so rede ich mir ein, ist auf eklatanten Zeitmangel zurückzuführen. Zum größten Teil trifft das auch zu: Ein sehr umfangreiches Projekt hat zumindest im vergangenen Jahr (nicht nur) meine Kapazitäten beinahe vollständig gebunden. Dazu noch eine Prise innerer Schweinehund, und fertig ist die Begründung für die anhaltende Trockenperiode.
Doch jetzt wird virtual bites von der dicken Staubschicht befreit. Es ist ja nicht so, dass ich in der Zwischenzeit online keine Spuren hinterlassen hätte. Im Zeitraum meiner Blog-Abstinenz habe ich Twitter mit fast 5200 Tweets molestiert, die aber anscheinend einige Personen nicht abgeschreckt haben mir zu “followen”. Und offen gestanden hat mir Twitter in den vergangenen Monaten mehr Spaß gemacht, sowohl als instant communication als auch als ungemein quirlige Quelle für – meistens – nützliche und interessante Informationsflüsse. Oder schlicht als Zerstreuung.
Allerdings habe ich zuletzt verstärkt gespürt, dass mir bei Twitter, Facebook und ein paar anderen sozialen Konsorten etwas fehlt, was ich bei Blogs beobachtet habe: disruptives Potenzial. Bevor jetzt jemand den Bullshit-Alarm einschaltet, erkläre ich kurz, was ich damit meine: die Fähigkeit, tradierte soziale, politische und ökonomische Modelle infrage zu stellen. Über die Wunden, die Blogs den traditionellen Medien geschlagen haben, wird ja noch immer wild gestritten. Die Verlagerung des politischen Diskurses, die Veränderung im Wissensmanagement, die Impulse für Innovationen – all das und vieles mehr vermag die in Blogform gegossene kollektive Expertise zu bewirken.
Neue Kaiser
Ein Beispiel: In ihrer Keynote anlässlich der European Wine Bloggers Conference (22.-24. Oktober, Wien) hat Elin McCoy – Autorin von “The Emperor of Wine” – eindrucksvoll geschildert, wie die internationale Weinblogger-Szene in nur wenigen Jahren den Markt der institutionalisierten Weinbewertung, der über Jahrzehnte von Robert Parker (eben dem “Emperor” ihres Buches) dominiert worden ist, durcheinander gewirbelt und auf den Kopf, oder sagen wir besser: auf die Füße, gestellt hat. Die Blogger haben z.B. in kurzer Zeit weit mehr unterschiedliche Weine verkostet und bewertet als die gesamte einschlägige Weinfachpresse zusammen, mit dem Effekt, dass sich Konsumenten bei ihren Kaufentscheidungen zunehmend an den Weinblogs ihres Vertrauens orientieren.
Solange Blogs diese disruptive Kraft innewohnt, werde ich mich wohl (wieder) bloggend betätigen. Nicht weil ich irgendwelche Welten aus den Angeln heben möchte, sondern weil es einfach spannend ist. Twittern kann ich ja weiterhin.

Am 11. November 2010 um 12:33 Uhr
*Like*!
Am 11. November 2010 um 12:49 Uhr
Guter Hinweis, Helge
Like-Button werde ich aber erst zu einem späteren Zeitpunkt einbauen, eventuell im Zuge eines Redesigns.
Am 11. November 2010 um 18:26 Uhr
Wenn du deine Blogbeiträge vollständig in Facebook syndizierst, wird hier nicht viel Leben einziehen. Würde eher drauf verlinken und den Text nur an einer Stelle veröffentlichen.
Am 12. November 2010 um 19:25 Uhr
Derzeit interessiert mich mehr, DASS ich gelesen werden, weniger WO das passiert. Hier muss und wird sich sowieso bald allerhand ändern.
Am 13. November 2010 um 01:34 Uhr
[...] virtual bites "Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte) « Zwei Jahre sind genug [...]
Am 13. November 2010 um 07:24 Uhr
[...] to be preserved, and that’s their disruptive potential. I have recently written a short blog post (in German; btw. it marks the revitalisation of my long neglected blog) about the [...]