Eine kurze Wettervorhersage des globalen intellektuellen Klimas könnte lauten: Zunehmend irrational; mit verbreiteten fundamentalistischen Niederschlägen ist zu rechnen.
Nicht schlecht gestaunt habe ich gestern (19.12.) bei Johannes B. Kerner im ZDF, als er nicht nur ein paar esoterischen Tussis - von Nina Hagen (deren Musik und Bühnenshow ich mag) bis zu Gabriele Hoffmann, der einzigen amtlichen (!) Wahrsagerin Deutschlands - breiten Raum für ihr Gesülze einräumte, sondern auch noch den bemerkenswerten Satz fallen ließ: “Sie haben sich in den vergangenen Jahren mit der Wissenschaft der Astrologie (sic!) beschäftigt …”. Doch, doch, jbk hat Astrologie gesagt und gemeint. Leider hat er nicht erwähnt, seit wann die Sterndeuterei - also übelster Aberglaube - als Wissenschaft anerkannt wäre.
Der NDR schreibt über Frau Hoffmann (die aussieht, als wäre sie die Schwester der Schauspielerin Andrea Sawatzki - ohne dass ich damit etwas insinuieren wollte), dass ihren Prophezeiungen Wirtschaftsbosse, Politiker und Showstars Glauben schenkten. Okay, bei den Showstars soll’s sein; aber Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft? Also nicht mehr Sachverstand, politisches Gespür, gesellschaftliche Verantwortung sind für Weichenstellungen ausschlaggebend, sondern … die Konstellation von Planeten? Und zwar nicht von allen Abertrilliarden von Planeten, sondern nur von einer Handvoll?
Bin schon gespannt, wann die ersten PR-Agenturen eigene astrologische Competence Center einrichten. (He, das war ein Scherz.)
Auf der anderen Seite rangiert Richard Dawkins‘ neuestes Buch, das absolut lesenswerte “The God Delusion” (derzeit leider nur auf Englisch verfügbar), in der Bestsellerliste der NY Times auf Platz 5. Noch ist die Menschheit anscheinend nicht verloren.