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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv der Kategorie ‘Medien‘

Qualitätsjournalismus

Montag, den 9. Juni 2008

In den ORF-Nachrichten nach der Tiroler Landtagswahl hieß es - zweimal - zum Ergebnis der “Grünen”: “Die Grünen wurden halbiert.” Nun ist es nichts Ungewöhnliches, dass der ORF kein besonderes Naheverhältnis zu sprachlicher Akkuratesse pflegt (man stelle sich das Splatter-Szenario vor, dass in Tirol nur noch halbierte “Grüne” herum spazierten), aber dass nun auch die simpelsten mathematischen Fähigkeiten abhanden gekommen sind, stimmt bedenklich.

Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis haben die “Grünen” 5,2 Prozentpunkte ihres Stimmenanteils eingebüßt, der von 15,6% auf 10,4% gesunken ist. D.h. sie haben ein Drittel verloren, nicht die Hälfte.

Dazu musste man noch nicht einmal recherchieren, bloß richtig rechnen. Das wird man wohl noch verlangen dürfen.

Wer “suckt” mehr?

Dienstag, den 4. Dezember 2007

Martin Bredl nimmt sich - gentleman-like wie immer - Georg Holzer zur Brust. Dieser hatte in seinem Blog am 29. November gleich die ganze PR-Branche grosso modo in die Pfanne gehauen. “PR sucks”, meint Georg, weil in den Presseaussendungen nie die ganze Wahrheit stünde. Martin empfiehlt ihm als Radikalkur den Versuch, doch einmal ein Monat lang ganz ohne Pressemitteilungen seinen Job zu machen.

Ziehen wir mal die Samthandschuhe aus: Schlechte PR “suckt” genauso wie schlechter Journalismus. Darüber brauchen wir uns, glaube ich, nicht besonders auszulassen. Aber Georg missversteht (absichtlich?) die Rolle von PR - und auch ihre Leistungen - gründlich. Es ist nicht die Aufgabe von PR, den Journalisten die gesamte Arbeit abzunehmen, indem sie nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Aspekte kommuniziert und die Hintergrundrecherche noch obendrein mitliefert. Wozu bräuchten wir dann noch Lohnschreiberlinge? Ergiebige Kontakte und Netzwerke sowie gewitzte Recherche sind doch schließlich die Chance, sich von den KollegInnen positiv abzuheben und sich zu profilieren.
Wettbewerb nennt sich das.

Unternehmenskommunikation ist in erster Linie dem Wohlergehen des eigenen Unternehmens verpflichtet, in zweiter Linie dem Wohlergehen der Gesellschaft. Das muss niemandem gefallen, ist aber so. Was das in einem (Web 2.0)-Umfeld bedeutet, das sowohl der PR als auch den Medien gegenüber zunehmend skeptisch eingestellt ist, kann jede/r für sich beantworten; meiner Meinung nach sind weder die einen noch die anderen - in Summe - derzeit ausreichend für diese Herausforderung gerüstet.

In seinem Kommentar auf Martins Blog fragt Georg (allen Ernstes?):

“Warum passiert PR nicht über Blogs?”

Vielleicht deswegen, weil der Großteil der JournalistInnen (Georg natürlich ausgenommen!) es dann überhaupt nicht wahrnehmen würden? Oder weil die Medien dann in den Grundfesten erschüttert würden, wenn keiner mehr ihre Gatekeeper-Funktion braucht?

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Eine Catostrophe (?)

Montag, den 26. November 2007

Martin Bredl hat mir soeben den Tag versaut. In seinem Blog lese ich, dass sich der Herausgeber der österreichischen Tageszeitung mit dem monarchistischen Titel unters bloggende Volk gemischt hat.

Ich hätte wohl besser nicht gleich HansDichandBloggt einem ersten Augenschein unterziehen sollen. Wer rollt mir meine Zehennägel jetzt wieder aus? Ich habe mich nämlich sogleich ganz schrecklich gefürchtet: Die Demokratie sei in Gefahr, weil sich die böse Bundesregierung dem “Krone”-Diktat nicht beugen will und keine Volksabstimmung zum EU-Vertrag durchführt. Wo sich doch die “Krone” so ganz der Volksaufklärung in Sachen EU-Vertrag verschrieben hat, dass sie sogar den Vertragstext zum Download anbietet. - Ach so, tut sie nicht? Nur der Kindermann klärt auf? Naja, das kann einen gelernten Österreicher auch nicht mehr erschüttern.

Ganz klar ist mir der Sinn des Transfers der catonischen Ergüsse (inklusive Feedback in von der Printausgabe gewohnter “Leserbrief”-Qualität) nicht. Was will der alte Mann in der Blogosphäre? Den Dialog sucht er schon mal nicht, das “Blog” - im Grunde ist es nur eine Online-Publikation mit Kommentarmöglichkeit - ist für ihn anscheinend nur eine weitere Tröte. Neue Zielgruppen erreichen, die sein papierenes Kleinformat nicht erwischt? Ob dazu sein Geblogge genügt? Wir werden sehen.

Im schlimmsten Fall weiche in halt in die Sphäre des Micro-Bloggens aus :-)

Dafür bekommt - im Sinne der Demokratie fördernden Meinungsvielfalt - das Krone-Blog einen Link.

PR Conversations im medianet

Dienstag, den 13. November 2007

Werner Schuster hat aus zwei Gesprächen, die wir heuer miteinander geführt haben, einen ausführlichen Artikel gedrechselt, der in der Ausgabe vom 13.11. des medianet (Online- und Print-Ausgabe) erschienen ist. Unter dem Titel “Vom PR-Kirtag zur Wahlkampf-PR” geht es vor allem um das kollektive internationale PR-Blog PR Conversations und um die Frage, welche Fragen Social Media für die Public Relations aufwerfen. Allfällige Dummheiten und Absurditäten sind auf meine Antworten, nicht auf seine Fragen zurückzuführen.

Werner Schuster betreibt übrigens ein bemerkenswertes Literatur(kritik)-Blog mit dem trefflichen Namen Eselsohren.

Konki je t’adore

Montag, den 12. November 2007

Als Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes hat man es echt nicht leicht. Da müht sich der Herr Konken redlich, dem Ausbund allen kommunikativen Übels, also dem Internet, das Gesicht von der verleumderischen Fratze zu reißen und der Welt (nein, nicht der Zeitung, sondern diesem globalen Dingsda) die Augen zu öffnen, und schon fällt ihm einer der vom Internetvirus offensichtlich heftigst befallenen Unterläuf… Kollegen beckmesserisch in den Rücken.

Das musste ja schon einmal gesagt werden:

“Blogs sind (…) eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.” (Quelle: Konken-Rede zum DJV-Verbandstag 2007)

Wer allen Ernstes solchen Unsinn verzapft, dessen Borniertheit wird wohl nur von seiner Ahnungslosigkeit übertroffen.

Thomas Knüwer (Handelsblatt) macht es sich aber nicht so einfach wie ich und zerzaust seinen Vorsitzenden nach allen Regeln der Kunst. Chapeau!

Notwehrüberschreitung

Donnerstag, den 1. November 2007

Chris Anderson, Chefredakteur des Wired Magazine, Buchautor und Blogger, hatte eine Schnapsidee: Der vielen unwillkommenen Presseaussendungen überdrüssig, die täglich in seinem E-Mail-Postfach aufschlagen (er spricht von rund 300), hat er zu einem ziemlich drastischen Mittel gegriffen. In seinem Blog “The Long Tail” hat er einfach die E-Mailadressen von rund 350 “ÜbeltäterInnen” publiziert, die seiner Ansicht nach einfach “zu faul” gewesen seien zu recherchieren, wem sie die Mitteilungen korrekterweise hätten zukommen lassen sollen. (Aufschlussreich sind die zahlreichen Kommentare.)

Ich verstehe zwar den Unmut, der sich aus der lästigen Bürde speist, andauernd aus einem Haufen von Spreu jene paar Weizenkörner herauszusuchen, die für die eigene Arbeit brauchbar sind. Ich könnte auch noch nachvollziehen, wenn Anderson - in einer Art Notwehrreflex - die Absenderadressen in seinem E-Mailprogramm einfach ausfiltert (was er ja auch seinen Angaben zufolge auch tut), auch wenn ich mich frage, auf welch abgehobenem Niveau sich der Herr bereits bewegt.
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Spielverderber

Samstag, den 13. Oktober 2007

Was wohl gewesen wäre, hätte der Journalistik-Professor Philip Meyer (University of North Carolina at Chapel Hill) anlässlich der Medientage die Keynote gehalten und den versammelten (Print-)Jubilierern das Folgende zu kauen gegeben?

“How the information is moved - (…) - will not be nearly as important as the reputation of the creators of the content. Earning that reputation may require the creativity and the courage to try radical new techniques in the gathering, analysis, and presentation of news. It might require a radically different definition of the news provider’s responsibility to the community (…)” (aus: The Vanishing Newspaper, 2004 University of Missouri Press)

Meine Vermutung: Sie hätten sich insgeheim gefragt, wer denn den Spielverderber eingeladen hat.

Einmal im Wall Street Journal sein

Donnerstag, den 11. Oktober 2007

Manchmal dauert es lange, bis Träume wahr werden. Obwohl damals, als wir das Online-Projekt “Wein aus Österreich” für unseren Langzeitkunden ÖWM umgesetzt haben, hätten wir nicht einmal im Traum daran gedacht, es jemals in ein Medium wie das Wall Street Journal (WSJ) zu schaffen. Und dennoch ist es jetzt “passiert”.

In einem etwas mehr als 3-minütigen Video stellen Dorothy Gaiter und John Brecher, Weinexperten des WSJ, die österreichische Weinspezialität “Grüner Veltliner” vor, bei dessen Aussprache sich so manche anglophone Zunge verknotet. Für dieses Problem haben wir - zusammen mit der US-amerikanischen, in Tirol lebenden Weinjournalistin Julia Sevenich - schon vor gut 5 Jahren eine Hilfestellung in Form von akustischen Sprachsamples entwickelt.

Ein wohltuendes Gefühl zu hören, wie John Brecher den nach richtiger Aussprache Suchenden empfiehlt: “… in this case you go to this really terrific site called winesfromaustria.com …” Es sind zwar nur ein paar Sekunden, in denen die Website zu sehen ist, aber Hand aufs Herz: was will man mehr als die “15 seconds of fame”?

Geh, haptik ned so

Mittwoch, den 10. Oktober 2007

(Es reicht mir offenbar doch noch nicht.) Die Medientage scheinen u.a. eine Plattform gewesen zu sein, auf der sich Medienleute als Dead-Tree-Lover outen durften, ohne gleich scheel angeschaut zu werden. Was haben Föderl-Schmid (Der Standard), Georg Wailand (Kronen Zeitung), Maximilian Mondel (horizont) und sicher noch viele Andere, Ungenannte gemeinsam? Sie sind Papier-Erotiker.

Die Haptik. Sie scheint der Medienbranche so etwas zu bedeuten wie die Transsubstantiation eines medienindustriellen Komposits zum Bedeutungsträger. Leider ist das aber bloß “pulp fiction“.

Ich stell mir gerade vor, wie die Riege am Ende der Veranstaltung aus dem Saal defiliert, das jeweilige Blattl in der Hand schwenkt und dazu singt:
“Haptik, Haptik,
das ist die neue Taktik,
der Medienindustrie.”

Die Medien hatten ihre Tage

Mittwoch, den 10. Oktober 2007

Zugegeben, nicht mehr ganz taufrisch; immerhin liegen die 14. Medientage auch schon wieder einige Zeit zurück. Aber solange sich die Schwaden der Selbstbeweihräucherung noch nicht verzogen haben, “gilt” es noch.

Noch einmal zugegeben: ich war nicht dort und kann mich daher nur auf die ausuferführliche Berichterstattung im “horizont” (Nr. 40) beziehen. Aber das reicht (mir). Eine über weite Strecken mühsame, an Nährwert arme Lektüre, die den intellektuellen Hunger nicht stillt.

Im positiven Sinne bemerkenswert erinnere ich nur die Eröffnungsrede von Hans-Jörgen Manstein, der seiner Branche elegant, aber eindringlich die Leviten liest. Hätte sie zugehört und die beinahe schon ätzenden Anmerkungen zum Klimawandel im Medienbusiness - einer, der mit einem unheilvollen Tiefdruckgebiet journalistischer Qualität daher kommt - auf sich bezogen, hätten ihre VertreterInnen sofort einpacken und nach Hause gehen müssen, um ihre lange vernachlässigten Hausaufgaben zu machen.

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