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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv der Kategorie ‘Medien‘

Geh, haptik ned so

Mittwoch, den 10. Oktober 2007

(Es reicht mir offenbar doch noch nicht.) Die Medientage scheinen u.a. eine Plattform gewesen zu sein, auf der sich Medienleute als Dead-Tree-Lover outen durften, ohne gleich scheel angeschaut zu werden. Was haben Föderl-Schmid (Der Standard), Georg Wailand (Kronen Zeitung), Maximilian Mondel (horizont) und sicher noch viele Andere, Ungenannte gemeinsam? Sie sind Papier-Erotiker.

Die Haptik. Sie scheint der Medienbranche so etwas zu bedeuten wie die Transsubstantiation eines medienindustriellen Komposits zum Bedeutungsträger. Leider ist das aber bloß “pulp fiction“.

Ich stell mir gerade vor, wie die Riege am Ende der Veranstaltung aus dem Saal defiliert, das jeweilige Blattl in der Hand schwenkt und dazu singt:
“Haptik, Haptik,
das ist die neue Taktik,
der Medienindustrie.”

Die Medien hatten ihre Tage

Mittwoch, den 10. Oktober 2007

Zugegeben, nicht mehr ganz taufrisch; immerhin liegen die 14. Medientage auch schon wieder einige Zeit zurück. Aber solange sich die Schwaden der Selbstbeweihräucherung noch nicht verzogen haben, “gilt” es noch.

Noch einmal zugegeben: ich war nicht dort und kann mich daher nur auf die ausuferführliche Berichterstattung im “horizont” (Nr. 40) beziehen. Aber das reicht (mir). Eine über weite Strecken mühsame, an Nährwert arme Lektüre, die den intellektuellen Hunger nicht stillt.

Im positiven Sinne bemerkenswert erinnere ich nur die Eröffnungsrede von Hans-Jörgen Manstein, der seiner Branche elegant, aber eindringlich die Leviten liest. Hätte sie zugehört und die beinahe schon ätzenden Anmerkungen zum Klimawandel im Medienbusiness – einer, der mit einem unheilvollen Tiefdruckgebiet journalistischer Qualität daher kommt – auf sich bezogen, hätten ihre VertreterInnen sofort einpacken und nach Hause gehen müssen, um ihre lange vernachlässigten Hausaufgaben zu machen.

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Papiertiger

Sonntag, den 30. September 2007

In seinem Editorial in der Ausgabe 39 des horizont riskiert Maximilian Mondel unter Zuhilfenahme des Schlachtrufes “Lang lebe die Tageszeitung!” die Prophezeiung, dass es auch im Jahr 2043 die “gute alte Zeitung”, also jene auf Papier gedruckte, geben werde. Man könnte auch sagen, er hat sich in die Gruppe der journalistischen “Pfeifer im Walde” eingereiht.

Mondel bringt gegen die Hypothese des US-Prof. Philips Meyer (“The Vanishing Newspaper”, 2004), dass es 2043 keine gedruckten Tageszeitungen mehr geben werde, ein Argument ins Spiel, das den Diskurs über die Zukunft des Journalismus und der Medien auf ein erbärmliches Abstellgleis dirigiert: die Haptik.

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Nervöse Zuckungen

Donnerstag, den 13. September 2007

Als Mensch, der seine Nase den größten Teil des Tages im Internet und seinen zahllosen Informationsquellen stecken hat, habe ich inzwischen ein reichlich distanziertes Verhältnis zu Printmedien (“print is where words go to die” / Jeff Jarvis). Print ist mir – von Büchern abgesehen – für meine Rezeptionsgewohnheiten und -anforderungen schlicht zu langsam und “unhandlich”.

Die Entfremdung wird allerdings noch größer, wenn Verlage meinen, mich auf unsinnige Weise belästigen zu müssen, wie etwa bis zur Mitte dieser Woche bereits zweimal geschehen. Zum einen versucht mir der Report Verlag ein angebliches Abo für ein Magazin (Report plus) zu verrechnen, das ich nie im Leben abgeschlossen habe und nicht einmal im Traum abschließen würde. Zum anderen möchte mich der Wirtschaftsnachrichten Zeitschriften-Verlag mit kostenlosen Exemplaren der Wirtschaftsnachrichten Donauraum beglücken, auf dass ich diese weiter verteile.

Im ersten Fall gehe ich bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, dass es sich um einen Irrtum in der Verlags-Buchhaltung handelt; für die zweite Causa habe ich nur ein “Sorry” übrig: Sucht euch einen passenderen Kolporteur.

Ich will nicht unterstellen, dass es sich bei diesen Vorgangsweisen – die ich eigentlich ausgestorben wähnte – um nervöse Zuckungen von Verlagen handelt, die sich einer rauer werdenden ökonomischen Umwelt ausgesetzt sehen. Aber wenn ich mit weiteren dieser eigentümlichen Praktiken konfrontiert werde, bekomme ich nervöse Zuckungen.

Denkfehler

Montag, den 4. Juni 2007

Unter dem etwas dünkelhaften Titel “Leseschwäche jenseits von Pisa” bedauert Milan Frühbauer im Editorial des “HORIZONT” (Nr. 22 vom 1.6.2007, Seite 4), dass “die Reichweiten der Tageszeitungen (…) vor allem bei den jungen Menschen (…) im Sinkflug” seien. Frühbauer setzt die Tatsache, dass Printmedien immer weniger die bevorzugten Informationsquellen darstellen (nicht nur der 14-20-Jährigen), mit einem geringeren Grad der Informiertheit gleich.

Das, lieber Kollege Frühbauer, ist ein grober Denkfehler. Der Niedergang der Printmedien, der in anderen Ländern noch weitaus krasser ausfällt als in Österreich, findet seine Ursachen nicht in mangelndem Interesse, sich über tagesaktuelle Geschehnisse und deren Hintergründe in Kenntnis zu setzen, sondern einerseits in der schwindenden Qualität der printmedialen Berichterstattung, in den strukturellen Begrenzungen herkömmlicher Medien (z.B. time-to-market), in der wachsenden Konkurrenz durch Alternativen im Internet (sowohl in Form von Online-Ablegern der etablierten Medienhäuser als auch in Form von Citizen-Media-Projekten) und in den sich verändernden Informationsbedürfnissen und Rezeptionsweisen.

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Glotze neu

Donnerstag, den 24. Mai 2007

Beinahe hätte ich den Beitrag mit “Glotz-Tec 2.0” übertitelt, denn darum ging es – zumindest in rudimentären Ansätzen – bei tvienna 2007, dem 1. Wr. Symposium zu Fernsehen und Medienwandel. Technisch orientierten TeilnehmerInnen mag sich die aphrodisierende Wirkung von digitalem, interaktivem und mobilem Fernsehen enthüllt haben; jene, die sich – wie ich – wenigstens ein paar Nebensätze zu den kulturellen, sozialen, kommunikativen Auswirkungen der technischen Flimmerkisten-Evolution (pardon: Nicht-mehr-Flimmerkisten-Evolution) erhofft hatten, blieben zwangszölibatär.Bei aller Euphorie über Rückkanäle und Interaktion und User Generated Content, die in den Präsentationen (zum Teil in übelster PowerPoint-Manier vollzogen) durchschimmerte oder -blitzte, wurde zu bereitwillig übersehen, dass einer großen Anzahl von “Rezipienten” in Sachen Mitmach-Qualität, Interaktivität und Vernetzung mit dem Internet bereits eine technologische Plattform zur Verfügung steht, die in Sachen Zweinulligkeit dem TV der näheren Zukunft weit überlegen ist.

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New Media Journalist Award 2007

Mittwoch, den 25. April 2007

Mit dem (in perfektem Neudeutsch so titulierten) New Media Journalist Award wurde heuer Helmut Spudich, Spezialist für alles Internette und Digitaltechnologische bei der Tageszeitung “DerStandard” ausgezeichnet. Er erhält die Auszeichnung unter anderem auch dafür, dass er nicht nur über Technik und Medienformate berichtet, sondern auch auf deren Auswirkungen auf die Gesellschaft hinweist. Preisträger im Vorjahr war Georg Holzer, Kleine Zeitung (Kärnten).
Herzliche Gratulation!

(via: horizont)

Twitter und die Professionalität

Donnerstag, den 19. April 2007

Wie sich die Zeiten ändern – oder auch nicht:
Hat in der Steinzeit ein dummer Grunzer genügt, dass der Faustkeil ausgefahren ist, führte bis ins 19. Jahrhundert ein unbedachtes Wort regelmäßig zum Duell im Morgengrauen. Zivilisierter ging es (auch nicht immer) im 20. Jahrhundert zu: Vergriff man sich im Ton, ließ sich manches durch ein Telefonat oder gar E-Mail klären und bereinigen.

Und im 21. Jahrhundert? Nun, da haben wir Twitter. Ein Instrument, das offensichtlich auch “alte Hasen” dazu verleitet, das Gehirn beim Tippen im Leerlauf (so viel wollen wir zugestehen) zu belassen. Und das kann dann schon dazu führen, dass der unverhofft Betwitterte auf Methoden des 19. Jh. zurück greift und Satisfaktion verlangt. Mit Sekundanten und Wahl der Waffen und so.

Das Mantel- und Degenstück, auf das ich anspiele, wurde durch ein ziemlich unbedachtes Twitterposting von Steve Rubel ausgelöst, der meinte, er würde bloß seine “friends” kurzinformieren, dass sein Freiabo-Exemplar von PC Magazine auf dem Mist landen würde (” PC Mag is another. I have a free sub but it goes in the trash,”). Was er nicht bedacht hatte: Der Satz steht für alle groß und auf Dauer lesbar im “Twitterspace”.

Verständlich, dass Jim Louderback, CR des PC Mag, nicht erfreut war. Aber was tut er? Er greift nicht etwa zum Telefon und klärt die Sache mit Herrn Rubel, sondern fängt in ziemlich kindischer Manier an zu lamentieren und sich zu überlegen, ob er nicht nur Mr. Rubel, sondern gleich die ganze Agentur Edelman und deren Kunden boykottieren soll. Pikanterweise bedient er sich dabei nicht des eigenen Magazins oder Twitter oder eines eigenen Blogs, sondern postet das via Strumpette-Blog (nö, der/die bekommt keinen Link). Da ziemlich gut bekannt (und dokumentiert) ist, dass Rubel und Amanda Chapel eine historische gegenseitige Animosität verbindet, kann das kein Zufall, sondern nur eine bewusste Gehässigkeit sein.

Inzwischen ist die Sache bereinigt, wie es scheint. Rubel hat erklärt, dass er so gut wie keine gedruckten Magazine, sondern nur die Online-Ausgaben oder RSS-Feeds liest, und sich entschuldigt (ohne sich wirklich zu entschuldigen), Jim Louderback hat’s akzeptiert. Alles wieder in Butter. Oder?

Es bleibt ein schaler Nachgeschmack: Wenn schon zwei professionelle Kommunikatoren beim Umgang mit neuen Tools so gekonnt auf die Schnauze fallen, wie sieht es dann mit weniger professionellen Kommunikatoren aus? Zum Beispiel so.

Und gerade lese ich bei Thomas Knüwer von einem weiteren Twitter-”Unfall”. Wenn das so weiter geht, werden wir bald so definieren: a twitter user is a twit.

Wörter und ihre Bedeutung

Samstag, den 7. April 2007

Hoch erfreut lese ich in der Ausgabe 11 des “horizont” vom 16.3. (S. 8), dass die “Welt am Sonntag” seit Februar barrierefrei sei. Von Rechts wegen müssten sie in Deutschland – anders als in Österreich – ja nicht, nur die digitalen Informationsangebote der öffentlichen Hand müssen barrierefrei sein. Toll, ein Schritt in die richtige Richtung, gelebte CSR usw., denke ich.

Weiter im Text wird der stellvertretende Chefredakteur (Romanus Otte) jedoch so zitiert, dass die Welt online schrankenfrei zugänglich ist: Es ist keine Registrierung erforderlich und das Archiv kostenlos verfügbar.

Hallo, “horizont”: Barrierefrei und schrankenfrei sind zwei (sehr unterschiedliche) Paar Schuhe. Vielleicht solltet ihr doch hin und wieder nachlesen, damit euch nicht die Wörter und ihre Bedeutungen durcheinander geraten.

Professionelles Blog-Monitoring?

Dienstag, den 13. März 2007

In den PRVAnews ist gestern in der Rubrik “À propos” ein Kommentar von Brent Hentschel (Meta Communication International) erschienen, der einigen Einblick erlaubt, wie ein Medienbeobachter die Welt der Weblogs und anderer Web-2.0-Phänomene sieht – und professionell beobachtet. Die Ausführungen lechzen geradezu nach Ein- und Widerspruch, kommt in ihnen doch ein, sagen wir einmal: nicht alltägliches Verständnis der Blogosphäre zum Ausdruck.
Zunächst werden den Weblogs Ansprüche untergejubelt, die diese nie gestellt und daher auch nie eingelöst haben:

Hatten begeisterte Anhänger Blogs zunächst als „neue Medien“ in den Himmel gehoben, so wird ihre zu erwartende Entwicklung heute nüchterner eingeschätzt. Blogs machen den regulären Medien nicht die erwartete Konkurrenz und haben auch keine Gegenöffentlichkeit entstehen lassen.

Das ist nicht nur an den Haaren herbei gezogen, sondern auch noch falsch. Es gibt in der Zwischenzeit mehr als ausreichend Studien – zuletzt die “State of the News Media 2007″ -, die Reichweite und Einfluss von Weblogs, durchaus auch im Sinne von Gegenöffentlichkeit, hinlänglich belegen.

Besonders originell ist diese Beschreibung von Blogs:

Im Gegensatz zu regulären Medien sind sie eher mit Leserbriefen, Flugblättern oder Parolen an Häuserwänden vergleichbar …

Vermutlich fallen da nicht nur mir die Ähnlichkeiten mit gewissen “Klowände”-Sprüchen ein. Immerhin wird ihnen zugestanden, sie seien für “den Zeitgeist hochinteressant” und ein unverzichtbares Stimmungsbarometer. Auf jeden Fall lassen solche “Definitionen” auf ein überaus produndes Verständnis der neuen Kommunikationswelt schließen. Dem Autor geraten halt hin und wieder die Bauklötze durcheinander. Da wird – Kraut und Rüben – die Bedeutung von Blogs mit der Änderung von Politikereinträgen in der Wikipedia “erklärt” und – Äpfel und Birnen – der Begriff Blogs “weiter gefasst”:

Zu relevantem UGM-Content zählen statt Monologen ähnelnden Online-Tagebüchern privater Selbstdarsteller vor allem interaktive Bereiche wie die Wikipedia, Diskussionsforen einschlägiger Zeitungen, Parteien oder Organisationen (Gewerkschaften, Globalisierungsgegner, Umweltschützer) sowie Blogs meinungsbildender Prominenter bzw. Kritiker.

Besonders kokett finde ich das kontrapunktische “statt”, mit dem die paralleluniversale Definition von Weblogs als monologische Online-Tagebücher (ächz) privater Selbstdarsteller von anderen Kommunikationsformen – und Blogs Prominenter! – abgegrenzt werden.

Noch eine delikate Kostprobe gefällig?

Viele Blogs wollen offenbar gar nicht gefunden werden. Kostenlose Blog-Suchmaschinen wie Google-Blogsearch, Technorati oder IceRocket sind hilflos und liefern wie auch automatische RSS-Feeds auf bestimmten Blog-Seiten keine inhaltlichen Ergebnisse, die den Qualitätsanforderungen interessierter Kunden entsprechen.

Einmal abgesehen davon, dass ich die mir bisher unbekannte Spezies der Geheimblogs in die Blog-Typologie aufnehmen muss, halte ich die Aussage, dass die Blogsuchmaschinen “hilflos” seien, schlichtweg für “chuzpedig”. Leider geht aus dem Hentschel-Artikel nicht eindeutig hervor, wie Meta es anders bzw. besser macht. Ich sehe zwar ein, dass man sich nicht gerne in die Karten schauen lässt, wenn man ein geniales System gefunden hat, den großen Affenzirkus Blogosphäre bzw. Web 2.0 effizient zu beobachten.

Die Online-Redaktion von Meta Communication International kann inzwischen auf nützliche Erfahrungen zurückgreifen, …

Solche Nona-Aussagen überzeugen mich nicht. Wie das Unternehmen offensichtlich selber festgestellt hat, ändert sich die Topologie der Blogosphäre permanent. Blogs werden mit Enthusiasmus gestartet und verschwinden wieder, Blogger ändern den thematischen Fokus (manchmal über Nacht) usw. All das macht das Blog-Monitoring zu einer gewiss nicht einfachen Sache, die kontinuierlichen Einsatz erfordert. Dass dies völlig ohne Zuhilfenahme von Suchmaschinen wie Google Blogsearch, Technorati & Co. zu bewerkstelligen sein soll, halte ich für illusorisch. Sicherlich sind diese Instrumente nicht perfekt, sie bilden auch (bei weitem) nicht die Gesamtheit der Blogosphäre (geschweige denn der anderen dialogischen Online-Plattformen) ab. Aber sie sind weit reaktionsschneller als jedes manuelle, “humanbasierte” Verfahren. Minuten nach dem Veröffentlichen dieses Beitrages ist er bei technorati erfasst. Meta wird wohl etwas länger benötigen, falls diese monologische Häuserwand-Parole eines privaten Selbstdarstellers überhaupt auf ihrem Radar auftaucht.

Es ist also nicht etwa eine raffinierte Strategie, Weblogs kontinuierlich auf ihre Relevanz zu beobachten und das Monitoring permanent anzupassen, sondern die einzig mögliche Methode, überhaupt zu brauchbaren Beobachtungsergebnissen und handlungsrelevanten Bewertungen zu gelangen.
Und wenn der genannte und teilweise zitierte Kommentar das Web-2.0-Verständnis der Meta Communications International getreu widerspiegelt, dann … naja.


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