Vom 27. bis 29. September hatten die österreichischen Medien ihre Tage, und gnädigerweise hatte dieses dreitägige Selbstbeweihräucherungsritual der Medien- und Werbebranche – erstmals nach 12 Jahren arroganter Missachtung – den Public Relations eine, wenn auch kleine, Nische eingeräumt. An der Tagesrandkippe durfte eine ziemlich hochrangig besetzte Runde zum Thema “Pressesprecher Alter Ego” (genauso holprig steht es jedenfalls im Programm) diskutieren.
Dass sich zu diesem Veranstaltungsteil nur rund 60 Personen, vorwiegend PR-Profis, einfanden, während sich der Rest der illustren TeilnehmerInnen aus den Nachbarbranchen vermutlich im Lichte ihrer eigenen Bedeutungsschwere sonnten, nimmt das Branchenblatt “intern” (Manstein Verlag) zum Anlass, dem PRVA eine Nase zu drehen. Da wird nicht etwa das schon an Solipsismus grenzende Desinteresse der anderen Kommunikationsdisziplinen aufs Korn genommen, sondern der freiwillige Berufsverband der PR-Treibenden dafür gerüffelt, dass er “seit zwei Jahren auf eine eigene Print-Kommunikation” verzichte.
Nun würde ich ja nie annehmen, das sei die späte Retourkutsche eines Beleidigten, der sich nicht damit abfinden will, dass der PRVA seine Kommunikation im Dezember 2003 komplett auf elektronische Kanäle umgestellt hat, insbesondere auf einen monatlich distribuierten Newsletter und ein Online-Magazin (und neuerdings auch auf Podcast), weil er die vorherige Lösung – eine kommerzielle Kooperation mit dem “horizont”, die dem Verband ganze 6 Seiten übers Jahr verteilt zugestand – als nicht mehr zeitgemäß beurteilt hat.
Ich gehe einmal Spaßes halber davon aus, dass der/die Verantwortliche für den Artikel im “intern 40″ vom 3. Oktober aus tief empfundener Sorge um das Wohlergehen der PR-Branche befand, dass “die Strahlkraft des PRVA in andere Kommunikationsbranchen” deshalb nicht gegeben sein, weil er – anders als die Werber und Marketingleute – auf eine “forcierte printmediale Präsenz” verzichte. Das heißt übersetzt, der/die Autor/in hält die anderen Kommunikationsbranchen für derart rückständig, dass sie das Internet noch nicht entdeckt hätten und nicht für ihre Information und Kommunikation benutzten. So hoffnungslos hinter ihrer Zeit sind die KollegInnen aus Werbung und Marketing nun auch wieder nicht.
Aber aus dem keyboard (oder schreibt man im Manstein Verlag noch mit der “Mechanischen”?) eines “intern”isten ist das schon ziemlich chuzpedig: Immerhin übergeht das Schwestermagazin “horizont” die Entwicklungen, Geschehnisse und Aktivitäten (in) der PR-Branche seit Jahrzehnten geflissentlich. Klar, der Glitzerkram der Werbewelt ist halt allemal “cooler”, “hipper” oder halt sonstwie glamouröser als die PR-Branche, die sich aufgrund ihrer spezifischen Kommunikationsfunktion eher dezent im Hintergrund hält. Selbst bei expliziten PR-Themen werden von der “österreichischen Wochenzeitung für Marketing, Werbung und Medien” (so die Subline des “horizont”; und nein: PR habe ich nicht ausgelassen, die werden gar nicht erst erwähnt) lieber Werbe-Krethi und Marketing-Plethi nach ihrer Meinung gefragt, als dass ein Mitglied des PRVA-Vorstandes um ein qualifiziertes Statement gebeten würde.
Die PR-Branche im Allgemeinen und der PRVA im Besonderen werden in der öffentlichen Wahrnehmung sicher unter ihrem Wert geschlagen, und das sicher auch ein Versäumnis (und damit eine Bringschuld) des PRVA. Es hat jedoch nichts, aber schon gar nichts mit der Entscheidung zu tun, auf das Euro-satte Hofieren eines Mediums zu verzichten, das sich auf das Ignorieren der PR-Branche auch noch etwas einzubilden scheint.
Und keine Sorge: Über die internet-basierten Kommunikationskanäle erreicht der PRVA weitaus mehr als nur seine Mitglieder. Es mögen nicht die brutto 14.000 der “horizont”-Auflage sein, aber dafür sind wir sicher, dass die darüber distribuierten Botschaften die Adressaten auch erreichen. Lieber von rund 2000 unique visitors – nicht nur in Österreich – pro Monat gelesen werden, als von 4×14.000 ignoriert.
–
Eine Anmerkung, die ich dem PRVA schuldig bin: So wie alle Beiträge in diesem Weblog spiegelt auch (und vor allem) der obige ausschließlich meine eigene Meinung wider. Ich bin Mitglied im PRVA, war auch 6 Jahre in dessen Vorstand, bin sicherlich eine treibende Kraft bei der Entscheidung gewesen, die Verbandskommunikation auf elektronische Formate umzustellen, und betreue die Website, den Newsletter und das Online-Magazin. Die oben ausgeführten kritischen Anmerkungen sind jedoch auf meinem eigenen Mist gewachsen; ich spreche nicht für den PRVA und bin auch nicht beauftragt, dies zu tun. Die Ansichten des PRVA/Vorstandes müssen mit meinen überhaupt nicht konform gehen. Ich bin auch sicher, dass sie es weitaus diplomatischer formulieren würden
/M.P.