Denkfehler
Montag, den 4. Juni 2007Unter dem etwas dünkelhaften Titel “Leseschwäche jenseits von Pisa” bedauert Milan Frühbauer im Editorial des “HORIZONT” (Nr. 22 vom 1.6.2007, Seite 4), dass “die Reichweiten der Tageszeitungen (…) vor allem bei den jungen Menschen (…) im Sinkflug” seien. Frühbauer setzt die Tatsache, dass Printmedien immer weniger die bevorzugten Informationsquellen darstellen (nicht nur der 14-20-Jährigen), mit einem geringeren Grad der Informiertheit gleich.
Das, lieber Kollege Frühbauer, ist ein grober Denkfehler. Der Niedergang der Printmedien, der in anderen Ländern noch weitaus krasser ausfällt als in Österreich, findet seine Ursachen nicht in mangelndem Interesse, sich über tagesaktuelle Geschehnisse und deren Hintergründe in Kenntnis zu setzen, sondern einerseits in der schwindenden Qualität der printmedialen Berichterstattung, in den strukturellen Begrenzungen herkömmlicher Medien (z.B. time-to-market), in der wachsenden Konkurrenz durch Alternativen im Internet (sowohl in Form von Online-Ablegern der etablierten Medienhäuser als auch in Form von Citizen-Media-Projekten) und in den sich verändernden Informationsbedürfnissen und Rezeptionsweisen.
