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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv des Tags ‘journalismus’

Ausweg für die Königskinder?

Dienstag, den 9. September 2008

Nachdem ich vor ein paar Tagen ordentlich Dampf abgelassen habe, kommt jetzt der konstruktive Vorschlag, für den sich vielleicht auch Georg Holzer erwärmen kann (der mir meine scharfe Replik anscheinend nicht krumm nimmt; jedenfalls redet er noch mit mir :-).

Die Ausgangssituation ist bekannt und so alt wie die beiden Berufsgruppen: JournalistInnen hie, PR-Leute da. Ihre Beziehung ist komplex und wird von subtilen Faktoren beeinflusst. Beiden ist bewusst, dass sie voneinander abhängig sind und einander brauchen: Für die PR sind Medien ein wichtiger Partner und Multiplikator der eigenen Botschaften; und die JournalistInnen könnten ohne die Leistungen der PR nicht aus dem riesigen Reservoir an Informationen schöpfen, das ihnen heute zur Verfügung steht.

Soweit die Idylle. In der Realität spießt es sich aber oft, zu oft, an allen Ecken und Enden. Nicht immer ist professioneller Umgang und gegenseitiger Respekt die Grundlage der Beziehung. Mich interessiert hier aber nicht die Schuldzuweisung (den Schwarzen Peter erhält in der Eigenwahrnehmung ohnehin immer die Gegenseite zugeschoben), sondern eine mögliche Lösung zumindest einiger Probleme der Media Relations.

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Offener Brief an Georg Holzer

Donnerstag, den 4. September 2008

Georg Holzer, Journalist bei der Kleinen Zeitung in Kärnten, hat auf seinem Blog gestern die große Keule ausgepackt und meint, diese der PR-Branche über die Rübe ziehen zu müssen. Er fühlt sich nämlich belästigt von der großen Anzahl an Presseaussendungen, die ihn nicht interessieren, aber dennoch erreichen.  Große Keulen haben den Nachteil, nicht besonders treffsicher zu sein und zu viele Kollateralschäden zu verursachen.

Da ich mit Georg, den ich im Übrigen sehr schätze (nur nicht in dieser Frage :-), über das Thema schon auf Ed Wohlfahrts Blog diskutiert habe, pfeife ich hier auf Deeskalation und widme ihm folgenden Offenen Brief:

Lieber Georg,

welcher Teufel hat dich denn geritten oder hat deine schon pathologisch anmutende Antipathie gegen die PR-Branche jetzt auch die letzten Ventile überwunden? Deine Pranger-Aktion ist dumm, kontraproduktiv und unoriginell: Dumm, weil sie am eigentlichen Problem vorbei geht (und das weißt du, denn wir haben lagen genug darüber debattiert); kontraproduktiv, weil sie nicht nur keine generell praktikable Lösung bietet, sondern das (Reiz-)Klima zwischen beiden Berufsgruppen vergiftet; unoriginell, weil das Thema schon vom Wired-Chefredakteur Chris Anderson (vor gerade mal zehn Monaten) abgefrühstückt wurde.

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Wer “suckt” mehr?

Dienstag, den 4. Dezember 2007

Martin Bredl nimmt sich - gentleman-like wie immer - Georg Holzer zur Brust. Dieser hatte in seinem Blog am 29. November gleich die ganze PR-Branche grosso modo in die Pfanne gehauen. “PR sucks”, meint Georg, weil in den Presseaussendungen nie die ganze Wahrheit stünde. Martin empfiehlt ihm als Radikalkur den Versuch, doch einmal ein Monat lang ganz ohne Pressemitteilungen seinen Job zu machen.

Ziehen wir mal die Samthandschuhe aus: Schlechte PR “suckt” genauso wie schlechter Journalismus. Darüber brauchen wir uns, glaube ich, nicht besonders auszulassen. Aber Georg missversteht (absichtlich?) die Rolle von PR - und auch ihre Leistungen - gründlich. Es ist nicht die Aufgabe von PR, den Journalisten die gesamte Arbeit abzunehmen, indem sie nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Aspekte kommuniziert und die Hintergrundrecherche noch obendrein mitliefert. Wozu bräuchten wir dann noch Lohnschreiberlinge? Ergiebige Kontakte und Netzwerke sowie gewitzte Recherche sind doch schließlich die Chance, sich von den KollegInnen positiv abzuheben und sich zu profilieren.
Wettbewerb nennt sich das.

Unternehmenskommunikation ist in erster Linie dem Wohlergehen des eigenen Unternehmens verpflichtet, in zweiter Linie dem Wohlergehen der Gesellschaft. Das muss niemandem gefallen, ist aber so. Was das in einem (Web 2.0)-Umfeld bedeutet, das sowohl der PR als auch den Medien gegenüber zunehmend skeptisch eingestellt ist, kann jede/r für sich beantworten; meiner Meinung nach sind weder die einen noch die anderen - in Summe - derzeit ausreichend für diese Herausforderung gerüstet.

In seinem Kommentar auf Martins Blog fragt Georg (allen Ernstes?):

“Warum passiert PR nicht über Blogs?”

Vielleicht deswegen, weil der Großteil der JournalistInnen (Georg natürlich ausgenommen!) es dann überhaupt nicht wahrnehmen würden? Oder weil die Medien dann in den Grundfesten erschüttert würden, wenn keiner mehr ihre Gatekeeper-Funktion braucht?

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Konki je t’adore

Montag, den 12. November 2007

Als Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes hat man es echt nicht leicht. Da müht sich der Herr Konken redlich, dem Ausbund allen kommunikativen Übels, also dem Internet, das Gesicht von der verleumderischen Fratze zu reißen und der Welt (nein, nicht der Zeitung, sondern diesem globalen Dingsda) die Augen zu öffnen, und schon fällt ihm einer der vom Internetvirus offensichtlich heftigst befallenen Unterläuf… Kollegen beckmesserisch in den Rücken.

Das musste ja schon einmal gesagt werden:

“Blogs sind (…) eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.” (Quelle: Konken-Rede zum DJV-Verbandstag 2007)

Wer allen Ernstes solchen Unsinn verzapft, dessen Borniertheit wird wohl nur von seiner Ahnungslosigkeit übertroffen.

Thomas Knüwer (Handelsblatt) macht es sich aber nicht so einfach wie ich und zerzaust seinen Vorsitzenden nach allen Regeln der Kunst. Chapeau!

New Media Journalist Award 2007

Mittwoch, den 25. April 2007

Mit dem (in perfektem Neudeutsch so titulierten) New Media Journalist Award wurde heuer Helmut Spudich, Spezialist für alles Internette und Digitaltechnologische bei der Tageszeitung “DerStandard” ausgezeichnet. Er erhält die Auszeichnung unter anderem auch dafür, dass er nicht nur über Technik und Medienformate berichtet, sondern auch auf deren Auswirkungen auf die Gesellschaft hinweist. Preisträger im Vorjahr war Georg Holzer, Kleine Zeitung (Kärnten).
Herzliche Gratulation!

(via: horizont)

Schauspiel

Dienstag, den 16. Januar 2007

Bewahrheitet sich Thomas Knüwers Vorhersage für 2007, dann steht der deutschen Medienbranche ein Schauspiel bevor, das einem innerjournalistischen Bürgerkrieg nahe zu kommen scheint. Der Handelsblatt-Journalist und Blogger (Indiskretion Ehrensache) verheißt uns nicht weniger als nuntia et circenses (man verzeihe mein eingerostetes Latein).

Die Kontrahenten: Innovative, internet-literate, aktuellen Entwicklungen aufgeschlossene KollegInnen, die auch einer Mehrleistung nicht abgeneigt sind, auf der einen Seite. Ihnen gegenüber die Mehrheit der JournalistInnen und Medienleute, die den Status quo der eigenen Qualifikation und jenen der Branche am liebsten auf ewig in Beton gießen möchten. Hie die “Monolith(en) der Meinung”; die Sprengmeister überkommener Strukturen dort.

Es ist nicht verwegen, grundsätzlich ähnliche Dispositionen auch für die heimische Medienszene anzunehmen, auch wenn es sich in Österreich wohl kaum auf den “Beginn eines Guerillakrieges” zuspitzen wird. Hier beißt man lieber auf Schaumgummi als auf Granit, auch wenn das unweigerlich zum Beißkrampf führt.


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