ein future bytes weblog

virtual bites

"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv des Tags ‘Medien’

Konki je t’adore

Montag, den 12. November 2007

Als Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes hat man es echt nicht leicht. Da müht sich der Herr Konken redlich, dem Ausbund allen kommunikativen Übels, also dem Internet, das Gesicht von der verleumderischen Fratze zu reißen und der Welt (nein, nicht der Zeitung, sondern diesem globalen Dingsda) die Augen zu öffnen, und schon fällt ihm einer der vom Internetvirus offensichtlich heftigst befallenen Unterläuf… Kollegen beckmesserisch in den Rücken.

Das musste ja schon einmal gesagt werden:

“Blogs sind (…) eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.” (Quelle: Konken-Rede zum DJV-Verbandstag 2007)

Wer allen Ernstes solchen Unsinn verzapft, dessen Borniertheit wird wohl nur von seiner Ahnungslosigkeit übertroffen.

Thomas Knüwer (Handelsblatt) macht es sich aber nicht so einfach wie ich und zerzaust seinen Vorsitzenden nach allen Regeln der Kunst. Chapeau!

Geh, haptik ned so

Mittwoch, den 10. Oktober 2007

(Es reicht mir offenbar doch noch nicht.) Die Medientage scheinen u.a. eine Plattform gewesen zu sein, auf der sich Medienleute als Dead-Tree-Lover outen durften, ohne gleich scheel angeschaut zu werden. Was haben Föderl-Schmid (Der Standard), Georg Wailand (Kronen Zeitung), Maximilian Mondel (horizont) und sicher noch viele Andere, Ungenannte gemeinsam? Sie sind Papier-Erotiker.

Die Haptik. Sie scheint der Medienbranche so etwas zu bedeuten wie die Transsubstantiation eines medienindustriellen Komposits zum Bedeutungsträger. Leider ist das aber bloß “pulp fiction“.

Ich stell mir gerade vor, wie die Riege am Ende der Veranstaltung aus dem Saal defiliert, das jeweilige Blattl in der Hand schwenkt und dazu singt:
“Haptik, Haptik,
das ist die neue Taktik,
der Medienindustrie.”

Die Medien hatten ihre Tage

Mittwoch, den 10. Oktober 2007

Zugegeben, nicht mehr ganz taufrisch; immerhin liegen die 14. Medientage auch schon wieder einige Zeit zurück. Aber solange sich die Schwaden der Selbstbeweihräucherung noch nicht verzogen haben, “gilt” es noch.

Noch einmal zugegeben: ich war nicht dort und kann mich daher nur auf die ausuferführliche Berichterstattung im “horizont” (Nr. 40) beziehen. Aber das reicht (mir). Eine über weite Strecken mühsame, an Nährwert arme Lektüre, die den intellektuellen Hunger nicht stillt.

Im positiven Sinne bemerkenswert erinnere ich nur die Eröffnungsrede von Hans-Jörgen Manstein, der seiner Branche elegant, aber eindringlich die Leviten liest. Hätte sie zugehört und die beinahe schon ätzenden Anmerkungen zum Klimawandel im Medienbusiness - einer, der mit einem unheilvollen Tiefdruckgebiet journalistischer Qualität daher kommt - auf sich bezogen, hätten ihre VertreterInnen sofort einpacken und nach Hause gehen müssen, um ihre lange vernachlässigten Hausaufgaben zu machen.

(more…)

Denkfehler

Montag, den 4. Juni 2007

Unter dem etwas dünkelhaften Titel “Leseschwäche jenseits von Pisa” bedauert Milan Frühbauer im Editorial des “HORIZONT” (Nr. 22 vom 1.6.2007, Seite 4), dass “die Reichweiten der Tageszeitungen (…) vor allem bei den jungen Menschen (…) im Sinkflug” seien. Frühbauer setzt die Tatsache, dass Printmedien immer weniger die bevorzugten Informationsquellen darstellen (nicht nur der 14-20-Jährigen), mit einem geringeren Grad der Informiertheit gleich.

Das, lieber Kollege Frühbauer, ist ein grober Denkfehler. Der Niedergang der Printmedien, der in anderen Ländern noch weitaus krasser ausfällt als in Österreich, findet seine Ursachen nicht in mangelndem Interesse, sich über tagesaktuelle Geschehnisse und deren Hintergründe in Kenntnis zu setzen, sondern einerseits in der schwindenden Qualität der printmedialen Berichterstattung, in den strukturellen Begrenzungen herkömmlicher Medien (z.B. time-to-market), in der wachsenden Konkurrenz durch Alternativen im Internet (sowohl in Form von Online-Ablegern der etablierten Medienhäuser als auch in Form von Citizen-Media-Projekten) und in den sich verändernden Informationsbedürfnissen und Rezeptionsweisen.

(more…)

Glotze neu

Donnerstag, den 24. Mai 2007

Beinahe hätte ich den Beitrag mit “Glotz-Tec 2.0” übertitelt, denn darum ging es - zumindest in rudimentären Ansätzen - bei tvienna 2007, dem 1. Wr. Symposium zu Fernsehen und Medienwandel. Technisch orientierten TeilnehmerInnen mag sich die aphrodisierende Wirkung von digitalem, interaktivem und mobilem Fernsehen enthüllt haben; jene, die sich - wie ich - wenigstens ein paar Nebensätze zu den kulturellen, sozialen, kommunikativen Auswirkungen der technischen Flimmerkisten-Evolution (pardon: Nicht-mehr-Flimmerkisten-Evolution) erhofft hatten, blieben zwangszölibatär.Bei aller Euphorie über Rückkanäle und Interaktion und User Generated Content, die in den Präsentationen (zum Teil in übelster PowerPoint-Manier vollzogen) durchschimmerte oder -blitzte, wurde zu bereitwillig übersehen, dass einer großen Anzahl von “Rezipienten” in Sachen Mitmach-Qualität, Interaktivität und Vernetzung mit dem Internet bereits eine technologische Plattform zur Verfügung steht, die in Sachen Zweinulligkeit dem TV der näheren Zukunft weit überlegen ist.

(more…)

Aschermittwoch

Donnerstag, den 22. Februar 2007

ist die Fortsetzung des Faschings mit anderen, brachialeren Methoden. Und noch witzloser, nimmt man die diversen *-Reden als Maßstab. Gehört man nicht zum (Bier-)Dunstkreis der verbalen Keulenschwinger, kann man das künstlich aufgeplusterte Gekaspere mit einem mitleidigen “nicht der Rede wert” abtun.

Außer, man steht im Solde eines österreichischer Mediums - wie etwa des ORF. Dort darf muss darf man den wenig originellen Hervorkotzungen von Leuten, die halt gerne Kaiser von Minimundus wären oder sich in ihrer Freiheit, 3 Bier zu bestellen, bedroht wähnen, breiten Raum geben.

Das ist nicht unterhaltsam, von relevant ganz zu schweigen. Wahrnehmungsschwelle und Qualitätsanspruch einiger heimischer Medien sind schon ziemlich tief.

Schauspiel

Dienstag, den 16. Januar 2007

Bewahrheitet sich Thomas Knüwers Vorhersage für 2007, dann steht der deutschen Medienbranche ein Schauspiel bevor, das einem innerjournalistischen Bürgerkrieg nahe zu kommen scheint. Der Handelsblatt-Journalist und Blogger (Indiskretion Ehrensache) verheißt uns nicht weniger als nuntia et circenses (man verzeihe mein eingerostetes Latein).

Die Kontrahenten: Innovative, internet-literate, aktuellen Entwicklungen aufgeschlossene KollegInnen, die auch einer Mehrleistung nicht abgeneigt sind, auf der einen Seite. Ihnen gegenüber die Mehrheit der JournalistInnen und Medienleute, die den Status quo der eigenen Qualifikation und jenen der Branche am liebsten auf ewig in Beton gießen möchten. Hie die “Monolith(en) der Meinung”; die Sprengmeister überkommener Strukturen dort.

Es ist nicht verwegen, grundsätzlich ähnliche Dispositionen auch für die heimische Medienszene anzunehmen, auch wenn es sich in Österreich wohl kaum auf den “Beginn eines Guerillakrieges” zuspitzen wird. Hier beißt man lieber auf Schaumgummi als auf Granit, auch wenn das unweigerlich zum Beißkrampf führt.


blogoscoop