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"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv des Tags ‘politische-Kommunikation’

Wahlzeit. Na Mahlzeit!

Donnerstag, den 28. August 2008

Ein sportliches Großereignis jagt das andere. Zuerst die olympischen Sommerspiele, jetzt der Marathon um die preziösen Stimmen des Wahlvolkes. Einen Monat lang, von heute gerechnet, wetteifern PolitikerInnen und ihre beratenden Stäbe darin, ideologische Grundlagen zu griffigen Plakatslogans und komplexe gesellschaftspolitische Weichenstellungen zu publikumswirksamen Wahlkampfsagern zu dehydrieren. In einem Monat ist das skurrile Schauspiel vorbei, und wir bekommen die Rechnung dafür präsentiert, den simplizifierten Einflüsterungen der Handlungsreisenden in Sachen Mandaten so oder so erlegen zu sein.

Dass das Wahlkampfareal aber nicht gänzlich zur durchemotionalisierten, denkbefreiten Zone degenerieren muss, zeigen zwei Projekte, die allen ernsthaft an politischen Fragen interessierten Menschen ans Herz gelegt seien:

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Politiker in (Kommunikations-)Not (1)

Montag, den 15. Oktober 2007

Politiker gehören zu jenen Berufsausübenden, die in besonderem Maße professioneller PR-Beratung bedürfen. Aber nicht immer erhalten (wollen).

Nehmen wir beispielweise einen ehemaligen Vizekanzler der Republik Österreich, den das widrige Schicksal eines ungünstigen Wahlausganges in die Wirtschaft verschlug und der sich zur Auffrischung der in Amtszeiten erlangten Kontakte unzureichender Mittel bediente, sowohl was das Briefpapier als auch was die Sprache betraf.

Die Details (“The world in Vorarlberg is too small …”) dürfen als einigermaßen bekannt voraus gesetzt werden. Mich interessiert hier aber mehr, ob bzw. wie PR dieses Desaster für die Reputation eines ehemaligen Spitzenpolitikers hätte verhindern können:

Ein schlechter PR-Berater hätte möglicherweise dazu geraten, die Sache als Versehen eines übereifrigen Mitarbeiters hinzustellen, der das Rohkonzept des Briefes, das zufällig auf einem herum liegenden Bogen ministrialen Briefpapiers verfasst wurde, als dessen Endfassung angesehen und verschickt habe. Wir haben in Österreich schon Haar sträubendere Geschichten gehört und gelesen.

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Nachhilfe

Freitag, den 19. Januar 2007

Wenn ein Mensch einen hoch bezahlten Job hat, sich aber trotz zahlreicher kritischer Einwände nicht davon abbringen lassen will, in einem ganz anderen Metier tätig zu werden, dann sagen vermutlich die Wohlmeinenden, er oder sie habe endlich die wahre Berufung gefunden, die anderen dagegen werden annehmen, er/sie habe nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Außer, es handelt sich um einen österreichischen Bundeskanzler. Da darf man argwöhnen, er sei von einem heftigen Schub plumpen Populismus heim gesucht worden. Mehr als einen simplen Trick politischer Propaganda vermag ich beim besten Willen im Gusenbauerschen Bestemm, sein Wissen nachhilfeweise irgendwelchen SchülerInnen aufzudrängen, nicht zu sehen.

Im Grunde ist die Geste UHBK ein ziemlich fieses Manöver, insinuiert sie doch, dass das, was der Politiker Gusenbauer sich zumutet, den Studierenden allemal auferlegt werden könne. Noch dazu macht UHBK es kostenlos, da werden sich die Studis doch mit 6 Euro zufrieden geben können (die Stundensätze für Reinigungspersonal sind übrigens um einiges höher).

Es geht mir nicht um die Frage der Studiengebühren - zu diesen habe ich zwar eine (unqualifizierte) Meinung, aber nicht die erforderliche Expertise -, sondern um die politische Kommunikation, die gar nicht erst den Dialog mit den Bezugsgruppen sucht. Da wird mit “Spin”-Methoden operiert, unterschwellig Stimmung gegen eine Interessensgruppe erzeugt, manipuliert, statt gemeinsam mit den Betroffenen alternative Lösungen auf ihre Umsetzbarkeit abzuklopfen. Also das alte, altbackene Verständnis von Politik und der Beziehung von Regierenden und Regierten, in dem Dialog nicht vorgesehen ist.

Aber vielleicht missverstehe ich den Nachhilfe-Trip des Bundeskanzlers und dieser ist nur der erste Schritt der gesamten Bundesregierung, sich regelmäßig unters Volk zu mischen und die Alltagssorgen und -nöte hautnah zu erfahren:  Der Landwirtschaftsminister bringt den Flüssigdünger aus und schwingt die Mistgabel, der Wissenschaftsminister setzt sich in überfüllte Hörsäle, die Frauenministerin putzt und kocht für Subproletariats-Familien usw. (Der Verteidigungsminister könnte ja den Grundwehrdienst nachholen.)

Das hätte wenigstens den heilsamen Effekt, dass sich die Politik möglichweise wieder darauf besönne, dass sie real existierenden Menschen verpflichtet ist.


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