ein future bytes weblog

virtual bites

"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv des Tags ‘twitter’

Zeichen an der Wand

Dienstag, den 23. November 2010
Twitterwall

Wer hat Angst vor der Twitterwall?

Wände sind seit Menschengedenken öffentliche Träger von Zeichen: von den Höhlenmalereien von Lascaux über die Jerusalemer Klagemauer (Kotel) mit ihren Gebetszettelchen bis zu den mit Plakaten und Graffiti übersäten Ziegel- und Betonmauern unserer Tage.

Und jetzt also die Twitterwall, die jüngste, digitale Metamorphose affichierter Botschaften. Ohne Zweifel haben sich diese – die Botschaften wie die Wände – im Laufe ihrer Evolution stark gewandelt, wobei Nachhaltigkeit und Wirkung (oder Bedeutung) indirekt proportional zu sein scheinen. So hat die prähistorische Symbolik von Lascaux zwar mehr als 17.000 Jahre überdauert, die Bedeutung für unser aktuelles Leben ist jedoch bestenfalls marginal (außer für Kunsthistoriker und die UNESCO). Tweets hingegen sind von extrem kurzer Lebensdauer, können aber einiges in Bewegung bringen. Oder auch nur Unruhe stiften.

(weiterlesen…)

Zwei Jahre sind genug

Mittwoch, den 10. November 2010

In den vergangenen knapp zwei Jahren habe ich mir lediglich einen einzigen Beitrag für dieses Blog abringen können. Dieses übermäßig ausgedehnte “Sabbatical”, so rede ich mir ein, ist auf eklatanten Zeitmangel zurückzuführen. Zum größten Teil trifft das auch zu: Ein sehr umfangreiches Projekt hat zumindest im vergangenen Jahr (nicht nur) meine Kapazitäten beinahe vollständig gebunden. Dazu noch eine Prise innerer Schweinehund, und fertig ist die Begründung für die anhaltende Trockenperiode.

Doch jetzt wird virtual bites von der dicken Staubschicht befreit. Es ist ja nicht so, dass ich in der Zwischenzeit online keine Spuren hinterlassen hätte. Im Zeitraum meiner Blog-Abstinenz habe ich Twitter mit fast 5200 Tweets molestiert, die aber anscheinend einige Personen nicht abgeschreckt haben mir zu “followen”. Und offen gestanden hat mir Twitter in den vergangenen Monaten mehr Spaß gemacht, sowohl als instant communication als auch als ungemein quirlige Quelle für – meistens – nützliche und interessante Informationsflüsse. Oder schlicht als Zerstreuung.

(weiterlesen…)

Wir sind nicht Obama

Donnerstag, den 21. August 2008

Wahlkampf is. Also jene Phase in den – immer weniger kalkulierbaren – politischen Jahreszeiten, in der es die inhaltsleere Phrasenstreu besonders aufdringlich durch die Gegend weht. (Zweifler bitte hier nachlesen.) Im Vergleich zu 2006 stehen den Stimmenfängern und -fängerinnen neue Tools zur Verfügung (böses Web 2.0! :-) , von denen sie ungeniert – weitgehend unbedarft und konventionell – Gebrauch machen.

Das Positive zuerst

Die rühmliche Ausnahme im Tanz um die Mandate bilden (bisher) die Grünen. Initiiert von Christoph Chorherr (anscheinend nicht ohne fachkundige Einflüsterungen seitens Helge Fahrnberger) startete ein Experiment in Crowdsourcing (in diesem Fall das Anzapfen kollektiver Kreativität), das nicht nur Dutzende Plakatentwürfe in teilweise professioneller Qualität, mit Witz und politischer Schärfe produzierte, sondern auch zu erheblicher medialer Beachtung geführt hat.

(weiterlesen…)

Twitter und die Professionalität

Donnerstag, den 19. April 2007

Wie sich die Zeiten ändern – oder auch nicht:
Hat in der Steinzeit ein dummer Grunzer genügt, dass der Faustkeil ausgefahren ist, führte bis ins 19. Jahrhundert ein unbedachtes Wort regelmäßig zum Duell im Morgengrauen. Zivilisierter ging es (auch nicht immer) im 20. Jahrhundert zu: Vergriff man sich im Ton, ließ sich manches durch ein Telefonat oder gar E-Mail klären und bereinigen.

Und im 21. Jahrhundert? Nun, da haben wir Twitter. Ein Instrument, das offensichtlich auch “alte Hasen” dazu verleitet, das Gehirn beim Tippen im Leerlauf (so viel wollen wir zugestehen) zu belassen. Und das kann dann schon dazu führen, dass der unverhofft Betwitterte auf Methoden des 19. Jh. zurück greift und Satisfaktion verlangt. Mit Sekundanten und Wahl der Waffen und so.

Das Mantel- und Degenstück, auf das ich anspiele, wurde durch ein ziemlich unbedachtes Twitterposting von Steve Rubel ausgelöst, der meinte, er würde bloß seine “friends” kurzinformieren, dass sein Freiabo-Exemplar von PC Magazine auf dem Mist landen würde (” PC Mag is another. I have a free sub but it goes in the trash,”). Was er nicht bedacht hatte: Der Satz steht für alle groß und auf Dauer lesbar im “Twitterspace”.

Verständlich, dass Jim Louderback, CR des PC Mag, nicht erfreut war. Aber was tut er? Er greift nicht etwa zum Telefon und klärt die Sache mit Herrn Rubel, sondern fängt in ziemlich kindischer Manier an zu lamentieren und sich zu überlegen, ob er nicht nur Mr. Rubel, sondern gleich die ganze Agentur Edelman und deren Kunden boykottieren soll. Pikanterweise bedient er sich dabei nicht des eigenen Magazins oder Twitter oder eines eigenen Blogs, sondern postet das via Strumpette-Blog (nö, der/die bekommt keinen Link). Da ziemlich gut bekannt (und dokumentiert) ist, dass Rubel und Amanda Chapel eine historische gegenseitige Animosität verbindet, kann das kein Zufall, sondern nur eine bewusste Gehässigkeit sein.

Inzwischen ist die Sache bereinigt, wie es scheint. Rubel hat erklärt, dass er so gut wie keine gedruckten Magazine, sondern nur die Online-Ausgaben oder RSS-Feeds liest, und sich entschuldigt (ohne sich wirklich zu entschuldigen), Jim Louderback hat’s akzeptiert. Alles wieder in Butter. Oder?

Es bleibt ein schaler Nachgeschmack: Wenn schon zwei professionelle Kommunikatoren beim Umgang mit neuen Tools so gekonnt auf die Schnauze fallen, wie sieht es dann mit weniger professionellen Kommunikatoren aus? Zum Beispiel so.

Und gerade lese ich bei Thomas Knüwer von einem weiteren Twitter-”Unfall”. Wenn das so weiter geht, werden wir bald so definieren: a twitter user is a twit.


blogoscoop