Zeichen an der Wand
Dienstag, den 23. November 2010Wände sind seit Menschengedenken öffentliche Träger von Zeichen: von den Höhlenmalereien von Lascaux über die Jerusalemer Klagemauer (Kotel) mit ihren Gebetszettelchen bis zu den mit Plakaten und Graffiti übersäten Ziegel- und Betonmauern unserer Tage.
Und jetzt also die Twitterwall, die jüngste, digitale Metamorphose affichierter Botschaften. Ohne Zweifel haben sich diese – die Botschaften wie die Wände – im Laufe ihrer Evolution stark gewandelt, wobei Nachhaltigkeit und Wirkung (oder Bedeutung) indirekt proportional zu sein scheinen. So hat die prähistorische Symbolik von Lascaux zwar mehr als 17.000 Jahre überdauert, die Bedeutung für unser aktuelles Leben ist jedoch bestenfalls marginal (außer für Kunsthistoriker und die UNESCO). Tweets hingegen sind von extrem kurzer Lebensdauer, können aber einiges in Bewegung bringen. Oder auch nur Unruhe stiften.

