Herausforderung für Touristiker
Samstag, den 7. April 2007Ich möchte niemanden mit meinen Urlaubserfahrungen langweilen, und Tourismusexperte bin ich auch nicht. Aber nach zwei Wochen in Chaweng, dem Hauptort (wenn auch nicht Hauptstadt) auf Koh Samui, wundere ich mich, wie ein nachhaltiges Tourismuskonzept für die Insel wohl aussehen müsste. (Gewundert habe ich mich, offen gestanden, schon am zweiten Tag).
Chaweng, oder genauer: die Chaweng Road, auf der sich das touristische Leben abspielt, ist ein auf 7 Kilometer ausgewalzter Supermarkt. Ein Laden nach dem anderen, Restaurants aller Kategorien (inklusive dem unvermeidlichen Deutschen Biergarten und dem Schnitzel-House), mehr oder weniger seriöse Massagesalons, mindestens 60 Maßschneider (die alle Armani oder Versace im Namen tragen), ein El Dorado der Markenpiraterie (garantiert echt falsche Rolex-Modelle um 20 Euro und weniger).
Thai-Authentizität findet man hier nicht, sie wächst proportional mit dem Abstand von den eitrigen Wunden, die der Massentourismus hier verursacht hat. Zum Glück gibt es so paradiesische Exklaven wie das Hotel Burirasa, sonst wäre der Aufenthalt in Chaweng kaum erträglich.
Wieso schaffen es Tourismusexperten und -strategen nicht zu verhindern, dass ganze Regionen ihre Kultur, ihre “Seele” und nicht zuletzt auch ihre Natur verkaufen? Sind das lauter lediglich dem maximierten Profit verpflichtete Deppen? Ahnungslose Wurschtln? Zahn- und einflusslose Schwätzer?
Dass die einheimische Bevölkerung die Erlöse aus dem Tourismus (und die Arbeitsplätze) dringend benötigt, steht außer Zweifel. Aber es müsste doch auch anders gehen, als dass der Broterwerb gleich mit dem (teilweisen) Verlust ihrer Identität untrennbar verknüpft ist bzw. dazu führt, dass einige Bereiche für sie off limits sind, weil sie sich diese nicht mehr leisten können.
Authentizität, die in der Blogosphäre so hohes Ansehen genießt, scheint im Massentourismus keinen besonderen Stellenwert zu genießen. Hat jemand eine Idee, wie man hier zu einem “Wertetransfer” kommen könnte?
