ein future bytes weblog

virtual bites

"Keine Angst, er beißt nicht." (aus: Berühmte letzte Worte)

Archiv des Tags ‘web-2.0’

Wir sind nicht Obama

Donnerstag, den 21. August 2008

Wahlkampf is. Also jene Phase in den – immer weniger kalkulierbaren – politischen Jahreszeiten, in der es die inhaltsleere Phrasenstreu besonders aufdringlich durch die Gegend weht. (Zweifler bitte hier nachlesen.) Im Vergleich zu 2006 stehen den Stimmenfängern und -fängerinnen neue Tools zur Verfügung (böses Web 2.0! :-) , von denen sie ungeniert – weitgehend unbedarft und konventionell – Gebrauch machen.

Das Positive zuerst

Die rühmliche Ausnahme im Tanz um die Mandate bilden (bisher) die Grünen. Initiiert von Christoph Chorherr (anscheinend nicht ohne fachkundige Einflüsterungen seitens Helge Fahrnberger) startete ein Experiment in Crowdsourcing (in diesem Fall das Anzapfen kollektiver Kreativität), das nicht nur Dutzende Plakatentwürfe in teilweise professioneller Qualität, mit Witz und politischer Schärfe produzierte, sondern auch zu erheblicher medialer Beachtung geführt hat.

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Si tacuisses

Freitag, den 30. Mai 2008

Manchmal ist es besser, man sagt nichts. Und manchmal steht einem der Mund vor ungläubigem Staunen derart offen, dass an verbale Äußerung erst gar nicht zu denken ist. Gerade ist mir derartiges widerfahren, nämlich beim 26. PR-Tag, den der PRVA am 29. Mai veranstaltet hat.

Ich bin ja schon über viele abstruse Ideen gestolpert, aber Österreich aktuell auf dem Weg in den Kommunismus zu sehen, in die universitäre Forschung und Lehre eingebundene Philosophen als willfährige, hörige Kolporteure der fiesen Absichten des Staates zu apostrophieren, Nettotransferleistungsbezieher – u.a. die PensionistInnen – mehr oder weniger als Sozialschmarotzer darzustellen und die staatlichen Sozialleistungen als durch Gewaltandrohung aufgezwungene Verträge für Vollidioten zu desavouieren, dazu braucht es schon einen “freien Philosophen”. Da er seine Appanage nicht vom Staat, sondern von privatwirtschaftlichen Unternehmen bezieht, die ihn buchen, sagt er natürlich die Wahrheit. Und die Erde ist eine Scheibe.

Wenn Sie nicht dort waren, erraten Sie nie, was das Thema hätte sein sollen. – Wirtschaftsethik. Aber die, so der “freie Philosoph”, sei sowieso nur ein Kennzeichen von Diktaturen.

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Können Sie Web2.0isch?

Mittwoch, den 14. November 2007

(Aus der Abteilung “Das hat uns gerade noch gefehlt”)
Sie wollen endlich auch einmal so richtig mitreden können, wenn die geeks einander mit unverständlichem Web 2.0-Kauderwelsch übertrumpfen? Nicht mehr stumm, mit ungläubig geöffnetem Mund und glasigen Augen zusehen, wie Sie nichts kapieren?

Der Rettung ist da! Sie werden zwar noch immer nichts verstehen, aber wenn Sie erst einmal – mit dem Web 2.0 Bullshit Generator bewaffnet – so richtig loslegen, wird es Ihrer Umgebung genau so gehen. Wenn Sie Formulierungen wie “aggregate data-driven widgets”, “syndicate semantic folksonomies” oder “design dynamic synergies” in die Runde werfen, liegt Ihnen die Männer/Damenwelt (Nichtzutreffendes streichen) garantiert zu Füßen.

Selbstverständlich alles in Englisch. Ich bitt’ Sie, das ist schließlich Web tu ou.

(Gefunden bei Emptybottle.org)

Beim Gemüsehändler

Donnerstag, den 12. April 2007

Der wochentägliche medianet Newsletter ist mir, ich gesteh’s, ein unerschöpflicher Quell der Freude … oder wenigstens der Erheiterung. Es vergeht kaum eine Ausgabe, in der nicht illustre Gäste das staunende Volk ihrer unergründlich tiefsinnigen Erkenntnisse teilhaftig werden lassen. (Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien die Gastkommentatoren ausgesucht werden, und weil ich es mir lebhaft vorstellen kann, will ich es lieber gar nicht erst wissen.)

In der Lieferung vom 12.4.2007 feiert einer, dem ich schon einmal die virtuellen Zähne gezeigt habe, unter dem schönen Titel “Pods, Blogs, Social Software & Co” (also Karotten, Kohlrabi, Gemüse & so) beinahe Kommentar-Jubiläum. Es geht leider wieder in die Hose. Nicht, dass ich gegen den Kollegen persönlich etwas hätte, aber ich fühle mich halt immer zum Fremdschämen veranlasst, wenn allzu offensichtlich Buzzword Bingo gespielt wird. Und das mag ich nicht.

Kostproben gefällig? Bitte: (weiterlesen…)

Web 2.0 aus Werbesicht

Donnerstag, den 1. März 2007

Fischmarkt.de, das Weblog aus dem Hause SinnerSchrader (die ja eigentlich auch nicht als Griesnockerl-U-Boot in der Brennsuppe tümpeln), freut sich, dass Web 2.0 jetzt auch in Österreich angekommen sei. Als Indiz dafür gilt der Autorin Carmen Ullrich-Nolte der jüngst erschienene Werbeplanung Guide 2007 (PDF, 100 Seiten, 8MB).

Jetzt habe ich, zugegeben, nicht alle 100 der (übrigens alles andere als barrierefreien) prall gefüllten Seiten studiert mit heißem Bemüh’n, aber weder Inhaltsverzeichnis noch Editorial noch selektive Angelversuche in einigen Artikeln haben auch nur den Hauch eines Hinweises gebracht, dass Web 2.0 ein ernsthaftes Thema für die Werbebranche(AT) wäre. Es sei denn, man versteht darunter – und das sind nun aber wirklich keine frischen Fische mehr, sondern eher Lachsforelle 0.9 – E-Mail-, Suchmaschinen- und Affiliate-Marketing.

Keine Rede von Weblogs, Social Media, Social Networks oder gar – ich wage es kaum, das Wort zu schreiben – virtuellen Welten wie Second Life. Von den paradigmatisch geänderten Beziehungen der Akteure im Web 2.0 ganz zu schweigen. Zwar prangt da, ganz stolzgeschwellte Brust, ein Zitat von Umberto Eco auf der Seite 2, aber verstanden haben sie es halt leider noch nicht. Ist aber auch hundig, diese Dialektik.

Ich frage mich aber auch, wo die Fischmarktfahrer das Web 2.0 im Guide oder generell in der österreichischen Werbeszene entdeckt haben wollen. (Zweck dienliche Hinweise bitte in den Kommentar :-) . Gegen die Marketer und Werber sind die PR-ler ja richtiggehende Web-2.0-Avantgardisten.


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